Freunde und Verwandte müssen draußen bleiben: Das Domicil-Seniorenpflegeheim hat seine Pforten dicht gemacht. 
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BerlinDas Domicil-Seniorenpflegeheim in der Techowpromenade in Reinickendorf hat beschlossen, seine 160 Bewohner durch einen Besucherstopp zu schützen. Eine Infotafel im Eingangsbereich der Einrichtung weist Angehörige darauf hin: „Wir bitten Sie, das Haus bis auf Weiteres nicht zu betreten“, schreibt die Heimleitung. Andere Senioren-Einrichtungen in Berlin folgen diesem Beispiel.

Auf längerfristige Einschränkungen bis mindestens Ende April müssen sich Bewohner und Besucher des Domicil-Seniorenpflegeheims in der Mörikestraße in Treptow einstellen. „Wir haben die Angehörigen über unseren Besucherstopp telefonisch informiert“, hieß es am Freitag auf Anfrage. 

Auch das gemeinsame Essen der Bewohner finde sicherheitshalber vorerst nicht statt. Die Mahlzeiten würden auf den Zimmern eingenommen. „Absagen mussten wir leider auch Veranstaltungen wie Basteln und Musizieren“, hieß es. Die Volkssolidarität, die in Berlin drei Seniorenheime unterhält, hat ihre Besuchszeiten ebenfalls gestrichen.

Amtsarzt warnt vor Leichtsinn

Die Senioren-Einrichtungen reagieren mit den Schutzmaßnahmen auf Empfehlungen von Fachleuten. Patrick Larscheid, Amtsarzt und Leiter des Gesundheitsamtes Reinickendorf, hatte bereits am Dienstag dazu geraten, auf Verwandtenbesuche in Pflegeheimen und Krankenhäusern zu verzichten.

Er empfehle, „dass bis auf Weiteres möglichst der Besucherverkehr in den genannten Einrichtungen komplett eingestellt werden sollte“, hieß es in einer Bezirksmitteilung. Das Gesundheitsamt wolle Besuche zwar vorerst nicht ausdrücklich verbieten, es fordere aber dazu auf, dass möglichst keine Besuche mehr stattfinden.

Wir müssen die Bevölkerung jenseits des Rentenalters wirklich schützen

Christian Drosten, Virologe

Bei der Caritas entscheidet ein Krisenstab von Tag zu Tag, wie der Ansteckungsgefahr in den acht Berliner Seniorenheimen des Verbands am besten begegnet werden kann. In Absprache mit Experten habe man beschlossen, die Besuchszeiten für Angehörige vorerst auf zwei bis drei Stunden pro Tag zu begrenzen, so Caritas-Sprecherin Claudia Appelt. 

Jede Entscheidung müsse eine Abwägung sein zwischen dem Schutz der Bewohner vor dem Coronavirus und den positiven gesundheitlichen Auswirkungen, die ein Besuch auf die Senioren habe. Für die Beschränkung der Besuchszeiten spreche, so Appelt, dass eine Ansteckung wahrscheinlich von außerhalb komme.

Robert-Koch-Institut erlässt Verhaltensregeln

Die Entscheidungsprobleme, vor denen Heimleitungen und soziale Träger stehen, sind in der Senatsverwaltung für Gesundheit und beim Robert-Koch-Institut (RKI) nicht unbemerkt geblieben.

Eine aktuelle Handreichung des RKI empfiehlt Senioreneinrichtungen, Bewohner mit Atemwegserkrankungen oder fieberhaften Erkrankungen auf eine Infektion mit dem Coronavirus untersuchen zu lassen. Besucher seien zum Beispiel auf Aushängen darüber zu informieren, dass sie Seniorenheime nicht betreten sollten, wenn sie eine akute Atemwegserkrankung haben. Mitarbeiter mit akuten Atemwegserkrankungen dürften nicht arbeiten.

Kein Besuch bei Großeltern

Der Schutz von Senioren ist aus Sicht des Arztes Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité, nicht allein Aufgabe von Pflegeheimen und Behörden. Auch die Familien seien gefordert, den Umgang mit Verwandten, die Risikogruppen angehören, mit Augenmaß einzuschätzen. 

„Wir müssen die Bevölkerung jenseits des Rentenalters wirklich schützen“, sagt er. Kinder sollten vorerst nicht mehr zur Betreuung an die Großeltern gegeben werden. Diese Vorsichtsmaßnahme sei, so Drosten, voraussichtlich bis September oder Oktober angeraten.

In anderen Bundesländern haben die Regierungen den Schutz von Senioren bereits zur Chefsache erklärt. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet (CDU), teilte am Freitag mit, dass Altenheime im gesamten Bundesland nicht mehr besucht werden dürften. Besuche seien nur noch in dringenden Ausnahmefällen erlaubt. Auch der Ministerpräsident von Bayern, Markus Söder (CSU), verhängte ein weitgehendes Verbot. In Belgien und Frankreich dürfen Seniorenheime nicht mehr besucht werden.