Flughafen-Geschäftsführer Hartmut Mehdorn umgibt der Nimbus des einsamen Machers und Entscheiders – doch tatsächlich lässt er sich umfangreich beraten. Zu umfangreich, hat der Aufsichtsrat der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) bei seiner Sitzung am Freitag befunden. Nach Informationen aus Teilnehmerkreisen nähern sich die Zahlungen des Staatsunternehmens an eine große Beratungsfirma nun der Zehn-Millionen-Euro-Marke.

Ab diesem Wert muss die Geschäftsführung die Zustimmung des Aufsichtsrates einholen. Wie es hieß, haben dort insbesondere die Vertreter Berlins gegen ein weiteres Engagement votiert. Berlins neuer Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der am Freitag erstmals an einer Sitzung des Gremiums teilnahm, habe offenbar ein Exempel statuieren wollen.

Insbesondere in der Sprint-Organisation, der Schaltzentrale der BER-Baustelle, sind zahlreiche externe Berater tätig. Während der Sitzung des Aufsichtsrats soll sich auch der neue BER-Technikchef Jörg Marks dafür eingesetzt haben, dass sie weiter arbeiten können. „Er war enttäuscht über die Ablehnung“, sagte ein Teilnehmer.

Mehrere Teilnehmer der Sitzung bestätigten, dass Müller bestens eingearbeitet war und mehrfach Akzente setzte. „Mit ihm wird ein anderer Ton einziehen. Nicht unfreundlich, nicht feindlich, aber unmissverständlich“, so ein Aufsichtsratsmitglied. Müller habe auch angeregt, dass die Flughafengesellschaft Auftragnehmer mit Prämien belohnt, wenn sie Arbeiten vorzeitig abschließen.

Offenbar bezog er sich dabei auf die guten Erfahrungen, die er als Senator bei der Sanierung der Avus gesammelt hatte. Deren Renovierung wurde ein Jahr vor dem geplanten Termin fertig. Die Baufirmen erhielten Prämien, dennoch waren die Kosten um fast ein Viertel niedriger als geplant.

Unterdessen wird klar, dass die Gesamtkosten des Flughafens durch die späte Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017 weiter steigen und das Budget von 5,4 Milliarden Euro erneut erhöht werden muss. Schätzungen zufolge verursacht die Flughafen-Baustelle pro Monat Kosten von 15 bis 30 Millionen Euro. Brandenburgs Flughafen-Staatssekretär Rainer Bretschneider (SPD) machte schon am Rande der Aufsichtsratssitzung deutlich, dass es eine Verteuerung geben werde. Am Sonntag sagte er der Berliner Zeitung: „Wir sind bei unserem Beschluss zum Eröffnungszeitraum vom Bauablauf ausgegangen, alles andere war nachrangig.“ Eventuelle Mehrkosten müsse man jetzt berechnen.

könnte aEine Kostenstelle scheint bereits festzustehen: In Tegel werden abermals Sanierungsmaßnahmen nötig. Dem Vernehmen nach werden in den nächsten beiden Jahren rund 20 Millionen Euro investiert. In FBB-Kreisen hieß es: „Vorfeldflächen und Rollwege müssen auf einem Stand gehalten werden, den die Luftfahrtbehörde investiert. Und Teile der Haustechnik sind zu erneuern, etwa die Klimaanlage.“ Nach Informationen der Berliner Zeitung müssen aber auch die Gepäckanlage und die Informationstechnik modernisiert werden.

An der Belastungsgrenze

„Es ist klar, dass Tegel an der Belastungsgrenze ist und dass der Flughafen betriebsfähig bleiben muss“, sagte Senatssprecherin Daniela Augenstein. Und Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) ergänzte: „Wir sind es den Kunden in Tegel schuldig, dass sie einen Gegenwert erhalten für das, was sie bezahlen. Wir können uns keinen Ausfall leisten.“

Vonseiten der Anlieger des Flughafens Tegel wurde am Wochenende Kritik an der späten BER-Eröffnung laut. Noch mehr als drei Jahre lang müssten sie nun den Fluglärm ertragen, klagte Thomas Kassner aus Wedding. „Mindestens. Wer garantiert uns denn, dass dieser Termin klappt?“

Update: Michael Müller bestätigte am Montag, dass der Aufsichtsrat eine entsprechende Vorlage der Geschäftsführung zu Beraterverträgen gestoppt habe. "man kann nicht einfach große Summen durchwinken, wenn sie nicht gut begründet sind", sagte der Regierende Bürgermeister dem RBB-Inforadio. Um welchen Auftrag und welche Summe es ging, sagte er nicht.