Nach dem Fund eines toten Babys in Neukölln hat sich am Donnerstag bestätigt, dass es bei der Polizei eine Ermittlungspanne gab. Zwei Polizisten des örtlichen Abschnitts sind, wie berichtet, einem ersten Hinweis nicht nachgegangen.

Ein Spaziergänger, der die Tüte mit der Leiche des Jungen am Dienstag entdeckt hatte, sagte später bei seiner Befragung durch die Mordkommission, dass er die selbe Tüte bereits am Freitag zuvor in einem Gebüsch gesehen habe. Er habe eine zufällig vorbei kommende Polizei-Streife angehalten und darauf hingewiesen. Die beiden Polizisten versprachen, sich um die Tüte zu kümmern. Tatsächlich haben sie die grüne Lidl-Tüte in einen Papierkorb entsorgt.

Nach Angaben von Polizeisprecher Stefan Redlich meldeten sich die beiden Beamten am Mittwochabend bei der Mordkommission. Sie räumten ein, dass ein Mann sie bereits am vergangenen Freitag angesprochen und auf eine übelriechende Plastiktüte in einem Gebüsch hingewiesen habe. Ohne die Tüte zu öffnen hätten sie sie entgegen genommen und in einen Papierkorb geworfen, weil sie dachten es sei Müll in der Tüte gewesen. Der Zeuge hatte sie dabei nicht begleitet. Die Polizisten seien geschockt, sagte Redlich.

Disziplinarrechtliche Konsequenzen werden geprüft

Mögliche disziplinarrechtliche Konsequenzen für die Beamten muss jetzt der Leiter der örtlichen Polizeidirektion 5 prüfen. „Für uns war wichtig, dass sich die Kollegen schnell gemeldet haben“, sagte Redlich. „Immerhin kennen wir jetzt den eigentlichen Ablageort des Leichnams.“ Eine brauchbare Spur zur Mutter des Kindes gibt es aber noch nicht. Inzwischen ist auch geklärt, dass kein Zusammenhang zu einem ähnlichen Fall vom vergangenen Jahr besteht. Der Vergleich der DNA-Spuren in beiden Fällen im Rechtsmedizinischen Institut habe keine Gemeinsamkeiten ergeben, hieß es.

Damit steht fest, dass es sich bei der Mutter des toten Kindes vor anderthalb Jahren und der Mutter des Säuglings, der in der Nacht zum Dienstag tot im Park am Weichselplatz gefunden wurde, um zwei verschiedene Frauen handelt. 500 Meter davon entfernt war im April 2013 die verweste Leiche eines neugeborenen Mädchens in einem Altkleidercontainer entdeckt worden. In beiden Fällen wird weiter nach den Müttern gesucht.

Im aktuellen Fall sind inzwischen bei der Polizei drei Hinweise eingegangen. Die Ermittler der Mordkommission gehen diesen Hinweisen nach. Unklar ist noch, ob das Baby bekleidet war. Dazu äußerten sich die Ermittler nicht. Ebenso unklar sind die Todesumstände, an deren Folgen das Kind starb. Das sei Täterwissen und deshalb nicht öffentlich, hieß es am Donnerstag im Landeskriminalamt.