Weihnachten 1954: Die DDR müht sich um bessere Versorgung

1954, der Krieg war neun Jahre zuvor in Ruinen geendet, versuchte die DDR das Auferstehen aus Ruinen. Seit Januar musste das Land keine Reparationszahlungen mehr an die ausgeplünderte und zerstörte Sowjetunion zahlen.

In Berlin war im April die Volksbühne wieder eröffnet worden. Im Sommer gab es eine Ferienaktion für westdeutsche Kinder, die die Wärme der aufgehenden sozialistischen Sonne spüren sollten.

Es ging voran, ein bisschen zumindest. Am 3. September senkte der Staat die Preise für viele Gebrauchsgüter und Lebensmittel. Das heißt: Es gab auch wieder etwas zu kaufen – mit einigem Glück. Wer Geschick zum Schneidern hatte, und dazu noch eine Nähmaschine (mit Trittbrett), war klar im Vorteil.

„Große Auswahl, frohes Schenken“

Eine Bild-Reportage für die Illustrierte „Zeit im Bild“ zeigt Frauen im Glück: Eine Verkäuferin führt ein Beratungsgespräch in einem Textilgeschäft für Stoffe. Die Aufnahme entstand im Dezember 1954, der Spruch an der Wand verheißt „Große Auswahl, frohes Schenken“. Im Regal liegen Hüte und Taschen.

Weil die Stoffgeschäfte jener Zeit aber nicht überall so aussahen, züchteten Familien - wie die meiner zu jener Zeit 22 Jahre alten Mutter - ihre eigenen Seidenraupen.

Die ausgelesenen Seidenkokons wurden an staatliche Stellen abgeliefert, dort gab es neben Geld auch Gutscheine zum Bezug von Seiden-Deputat-Stoffen. Daraus entstand unter anderem ein blaues Verlobungskleid.

Auffallend, jedenfalls mit enormem Aufwand hergestellt, sind die Frisuren der Damen. Auch dafür lieferte der Fortschritt neuen Komfort, hier in Gestalt der Finger-Trockenhaube „Müholos“, die im modernen Friseurgeschäft zum Einsatz kam.

Zum Weihnachtsfest 1954 konnte frau in Bestform auftreten. Das Styling der Friseurin auf diesem Bild von damals wäre auch heute durchaus vorzeigbar.

Was braucht der Deutsche noch zum Weihnachtsfest? Einen herrlichen Dresdner Stollen – solche, wie sie die ebenso tüchtige wie adrette Arbeiterin im VEB Koba Dresden im Dezember 1954 verpackte.

Mit einiger Wahrscheinlichkeit ging die Lieferung nach Berlin. Die Hauptstädter waren hinsichtlich der Versorgung mit Konsumgütern bevorzugt – jedenfalls bis zur Wende.

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