Das Dezemberprogramm von Sänger Frank Zander steht schon seit fast zwei Jahrzehnten fest. Man könnte es kurz so umschreiben: betteln und organisieren. Seit er 1995 begann, Obdachlose zu Weihnachtsfeiern einzuladen, ist Zander ein Gefangener des Erfolgs seiner Idee. „Wir müssen das durchziehen. Ich hoffe, dass ich noch 20 Jahre fit bleibe.“

Die Obdachlosen freuen sich auf diesen einsamen Höhepunkt in ihrem Leben und rennen ihm die Bude ein. Weil in Berlin, traurig genug, noch nicht einmal 2800 Plätze reichen, um den Bedarf zu decken, wurden für die 18. Obdachlosenweihnachtsfeier am Mittwoch im Estrel Hotel durch Beratungsstellen kostenlose Einlassbändchen verteilt.

Ähnliche Initiativen in Hannover, Dresden, Potsdam

Zander, der 1995 damit begann, 120 Obdachlose zu bewirten und sich besonders darüber freut, dass es inzwischen ähnliche Initiativen in Hannover, Dresden und Potsdam gibt, bekam für sein Engagement bereits das Bundesverdienstkreuz und den Berliner Verdienstorden. Er selbst betont immer, dass er ohne eine große Schar von Helfern mit so einer Aufgabe völlig überfordert wäre. Diakonisches Werk, Caritas und Estrel-Hotel nennt er zuerst.

In letzter Zeit melden sich immer wieder Eventagenturen bei Zander, die die Organisation übernehmen wollen. Er kann sich mit diesem Gedanken nicht anfreunden: „Das ist und bleibt eine Familienfeier. Manchmal ein bisschen chaotisch, aber das macht ja auch einen Teil ihres Charmes aus.“ Ganz wehmütig macht ihn, dass er unter seinen Gästen Jahr für Jahr immer wieder die selben Gesichter sieht: „Traurige Gestalten, die es leider nicht schaffen, sich aus dem Sumpf zu ziehen.“

Es gibt aber auch andere Beispiele: „Einige von denen, die vor Jahren noch obdachlos waren und als Gäste kamen, sind inzwischen jedes Jahr ganz zuverlässig als Helfer dabei.“ Zu den Traditionen von Zanders Weihnachtsfeier gehört es, dass die Kellnerbrigade durch Prominente unterstützt wird. Diesmal meldete sich Sängerin Claudia Jung freiwillig: „Ich bin zum ersten Mal dabei und sehr davon beeindruckt, was Frank Zander hier auf die Beine stellt.“

RBB-Moderatorin Britta Elm gehört seit zehn Jahren zu den Unterstützern von Zanders Obdachlosenweihnachtsfeier. Anfangs als Aufbauhelferin, inzwischen als Moderatorin des bunten Programms, das den Gästen geboten wird. Ihre neunjährige Tochter Magdalena war beim ersten Mal der Mama im Babybauch dabei. Diesmal trug sie ganz stolz ein eigenes Helferbändchen am Handgelenk und half beim Servieren.

Erinnerungsfoto mit Graciano Rocchigiani

Das beliebteste Erinnerungsfoto-Maskottchen war Boxveteran Graciano Rocchigiani. Der Mann ist oft genug gestrauchelt und dann wieder aufgestanden, um für viele Obdachlose ein Vorbild zu sein. Diesmal servierte er ihnen gemeinsam mit Prominenten wie dem Boxer Arthur Abraham, den Schauspielern Herbert Köfer und Wolfgang Bahro, den Moderatoren Thomas Koschwitz und Bürger Lars Dietrich sowie Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky den Gänsebraten: „Ich will etwas von dem zurückgeben, was mir Gutes getan wurde.“

Dass Rocchigiani sich nicht auch als Sänger für das Unterhaltungsprogramm gemeldet hat, liegt an einer realistischen Einschätzung seiner Fähigkeiten auf diesem Gebiet: „Dann wäre der Saal ziemlich schnell leer.“

Marcus Zander, der Sohn des Gastgebers, war wieder beeindruckt, wie schnell sich der große Estrel-Saal verwandelt hat: „Um 8 Uhr in der Frühe war hier nichts. Jetzt sieht es richtig gemütlich aus.“ Auch er will noch lange mit dieser Feier durchhalten. „Estrel-Besitzer Ekkehard Streletzki hat uns vor zehn Jahren in die Hand versprochen, dass wir so lange in seinem Haus weitermachen dürfen, wie wir wollen. An dieses Versprechen werden wir uns und ihn noch oft erinnern.“