Nach dem Anschlag in der Nähe des Straßburger Weihnachtsmarktes hat die Berliner Polizei ihre Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Die Präsenz von Beamten auf den Weihnachtsmärkten der Hauptstadt sei entsprechend angepasst worden, hieß es am Mittwoch. Die Berliner Polizei stellt nach Angaben eines Sprechers "einen sehr umfassenden Grundschutz sicher", der unter anderem sichtbare polizeiliche Präsenz auf Weihnachtsmärkten , technische Sicherungen zum Schutz vor Kraftfahrzeugen und auch andere, zum Teil verdeckte Maßnahmen für andere Szenarien umfasse. 

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So sind unter anderem Polizisten mit Maschinenpistolen unterwegs. Auch Beamte in Zivil halten nicht nur Ausschau nach Taschendieben, sondern auch nach möglichen Terrorverdächtigen. Zudem gebe es noch eine Anzahl unsichtbarer Sicherheitsvorkehrungen, über die die Polizei sich nicht äußert. 

Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte, man sei auf Anschlagsszenarien wie auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt vorbereitet. „Der Anschlag von Straßburg zeigt, dass die Terrorgefahr unverändert hoch ist. “ Das gelte auch für Berlin. Die Polizei sei auf unterschiedliche Anschlagsszenarien eingestellt - nicht nur auf Angriffe mit Lastwagen wie beim Attentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche am 19. Dezember 2016, betonte Geisel. „Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen muss uns aber allen klar sein: Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz in offenen Gesellschaften wie unserer.“ Der Senator fügte an: „Diejenigen, die das behaupten, geben ein Sicherheitsversprechen ab, das sie nicht einlösen können.“

Weihnachtsmärkte in Berlin: Höhere Zahl an privaten Wachschützern

Die Betreiber der Weihnachtsmärkte haben zudem die Zahl ihrer privaten Wachschützer aufgestockt. Dies ist eine der Konsequenzen aus dem islamistischen Terroranschlag vor zwei Jahren auf dem Breitscheidplatz, bei dem zwölf Menschen getötet und mehr als 70 zum Teil schwer verletzt wurden. 

"Unsere Händler sind sensibilisiert. Sie achten auf auffällige Personen und sind angehalten, auf herrenlose Gepäckstücke zu achten ", sagte Arnold Bergmann, Betreiber der Weihnachtsmärkte auf dem Potsdamer Platz und dem Alexanderplatz am Mittwoch der Berliner Zeitung.

Straßburg-Attentat hat Folgen für Berlin

"Nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz haben wir natürlich die Auflagen der Polizei erfüllt. Wir sind jetzt gespannt, wie das neue Sicherheitskonzept vom Breitscheidplatz funktioniert", so Bergmann. Erstmals werden auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz unter anderem neue Durchfahrtssperren und Poller erprobt. "Wenn das Konzept funktioniert, soll es in den kommenden Jahren auf alle größeren Veranstaltungen und Märkte in der Stadt übertragen werden, so Bergmann." Er geht nicht davon aus, dass der Anschlag in Straßburg Auswirkungen auf die Besucherzahlen der Weihnachtsmärkte in Berlin haben wird.

"Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit"

Die Sicherheitsbehörden der Stadt schätzen die Gefahr islamistischer Terroranschläge als „unverändert hoch“ ein. Man stehe in ständigem Kontakt mit dem Bundeskriminalamt und den Sicherheitsbehörden anderer Bundesländer, hieß es. Im Landeskriminalamt werde die Lage jeden Tag neu analysiert. Allein in Berlin zählt das LKA mehr als 100 islamistische Gefährder, denen zugetraut wird, einen Anschlag zu verüben.

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"Natürlich wird in den nächsten Tagen auf den Weihnachtsmärkten mehr Polizeipräsenz zu sehen sein", sagte Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei. "Aber es gibt keine hundertprozentige Sicherheit. Wenn wir die erreichen wollen, dann dürfen wir keine Weihnachtsmärkte mehr aufmachen."

Zu dem Terroranschlag in Straßburg erklärte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller  am Mittwoch unter anderem: "Wir in Berlin denken angesichts des Geschehens von gestern Abend sofort an den brutalen Terrorangriff auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz am 19. Dezember vor zwei Jahren. Berlin hat sich bewusst entschlossen, trotz dieser menschenverachtenden Gewalttat an seiner freiheitlichen, toleranten und weltoffenen Lebensweise festzuhalten. Wir wünschen auch Straßburg diese Kraft.“