Berlin - Der Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz ist gut besucht wie jeden Abend, als um 20.14 Uhr ein Lkw mit polnischem Kennzeichnen die Budapester Straße entlangfährt. Der Lkw ist lang, der Anhänger dunkelgrau, er kommt vom Ernst-Reuter-Platz, fährt noch am Zoopalast vorbei, über die Ampel an der Hardenbergstraße, und rollt dann – ganz plötzlich − direkt in den Weihnachtsmarkt hinein, reißt Menschen auf dem Gehweg mit sich, fährt Buden um und kommt an einem hölzernen Glühweinstand neben der Kirche zu stehen.

„Mindestens vier Buden habe der Laster mitgerissen, alle platt“, sagt Anselm Lange, Vorsitzender der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnisgemeinde, der später von der Polizei über den Platz geführt wird. Er hat Tränen in den Augen, seine Stimme zittert. Ein schreckliches Bild habe sich ihm geboten. Augenzeugen berichten, dass der Lkw viele Besucher überfuhr. „Der Lkw ist hier mit großer Geschwindigkeit durchgefahren“, sagt eine Mitarbeiterin des Weihnachtsmarktes. „Die Leute rannten weg und sind zu Boden gestürzt. Ich habe noch einen Schwerverletzten unter dem Lkw hervorgezogen“, sagt die geschockte Frau. „Dann habe ich sie gesehen: die Toten und Schwerverletzten, die in ihrem Blut lagen.“

Schnell sind Polizei und Feuerwehr vor Ort

Schnell sind Polizei- und Feuerwehrkräfte vor Ort, riegeln das Areal mit rot-weißen Bändern ab. Von überall wird die Polizei gerufen, manche haben Maschinenpistolen im Anschlag, sie fordern alle Besucher des Weihnachtsmarktes auf, die Gegend zu verlassen. Immer mehr Rettungswagen mit Blaulicht fahren vor. Sanitäter machen sich an dem Lkw zu schaffen. Sie bemühen sich, die Opfer unter dem Lkw zu bergen. „Es laufen noch mehrere Reanimationen“, sagt ein Feuerwehrsprecher, sichtbar nach Fassung ringend, um 20.35 Uhr. Die Polizei selbst rechnet offenbar zu diesem Zeitpunkt damit, dass es sich um einen Terroranschlag gehandelt haben könnte. „Seien Sie froh, dass sie das nicht sehen müssen“, sagt ein Feuerwehrmann zu einem Journalisten, der dichter an die Unglücksstelle möchte.

Toter Mann im Führerhaus

Schnell wird eine Sammelstelle für Angehörige eingerichtet. Einsatzkräfte sind mit Kühldecken unterwegs, um die Menschen im Schockzustand zu wärmen. Ein Polizeirettungshundestaffel trifft ein. Gegen 20.45 Uhr teilt ein Polizist mit, dass man von einem Terroranschlag ausgehe. „Das sah aus wie Absicht.“ Andere Kollegen nehmen die Aussage später wieder zurück. Niemand will sich festlegen.

Schaulustige streben zur Unfallstelle, wollen Handyaufnahmen machen. Polizisten halten sie auf. Nur wenige Meter weiter werden Verletzte versorgt, ein Mädchen wird bandagiert ihren Eltern übergeben. Sie fallen sich in die Arme. Kurz nach 21 Uhr erscheint der Charlottenburger Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) am Waldorf Astoria und wird von Polizisten zur Sammelstelle geleitet.

Wenig später besucht auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) den Ort der Tragödie. Die Lage sei unter Kontrolle, teilt Müller wenig später mit. Der Regierungschef reagiert geschockt auf die Attacke mit mindestens zwölf Toten. „Was wir hier sehen, ist dramatisch“, sagt Müller. Seine Gedanken seien bei den Familien, die Tote oder Verletzte zu beklagen hätten. Auch der neu ins Amt berufene Innensenator Andreas Geisel zeigt sich kurz am Breitscheidplatz, aber er weiß auch nicht mehr.