Berlin - Er gilt als einer der schönsten Weihnachtsmärkte Berlins, schon wegen der Kulisse – dem am Abend festlich illuminierten Barockschloss Charlottenburg. Vor allem am Wochenende drängen hier die Besucher an den Ständen entlang, am schlimmsten sei es am Sonnabendnachmittag, sagt der Veranstalter.

Nun wollte Betreiber Tommy Erbe in diesem Jahr und auf seinem achten Weihnachtsmarkt vor dem Schloss in Folge erstmals Eintritt erheben, nur für den Sonnabend, und nur ab 16.30 Uhr. Weil es kein Durchkommen mehr gegeben habe und sich Händler und Besucher beschwert hätten. Eine Notwehrreaktion, hatte Erbe jüngst erklärt. Und einen Eintrittspreis von drei Euro angekündigt, um Besucher auf weniger stark frequentierte Weihnachtsmarktzeiten umzulenken.

Verstoß gegen Grünanlagengesetz

Doch nun hat das Verwaltungsgericht dem einen Riegel vorgeschoben. Besucher dürfen weiterhin kostenfrei über den Markt bummeln. Es wies damit einen Eilantrag des Betreibers gegen eine Anordnung des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf zurück, in der das Bezirksamt verboten hatte, Eintrittsgeld zu nehmen.

Das Gericht betonte in seiner Entscheidung, die Erhebung eines Eintrittsgeldes und das Absperren der öffentlichen Grün- und Erholungsanlage verstoße gegen das Grünanlagengesetz. Danach könne „grundsätzlich jedermann eine solche Anlage ohne Eintritt zur Erholung nutzen“. Dies ändere sich auch nicht, wenn auf dieser Grünanlage ein Weihnachtsmarkt aufgebaut worden sei.

Baustadtrat Marc Schulte (SPD) zeigte sich an diesem Freitag erfreut über die Gerichtsentscheidung. Er glaube, der Veranstalter habe mit dem Sonnabendeintritt nur die Akzeptanz testen wollen, um dann irgendwann Eintritt für den gesamten Zeitraum des Marktes zu erheben. „Solchen Ansinnen muss man die rote Karte zeigen“, sagte Schulte der Berliner Zeitung. Der Park vor dem Schloss sei eine öffentliche Grünanlage, und die müsse für jeden zugänglich bleiben – auch wenn dort ein Weihnachtsmarkt sei. Es gebe auch andere Möglichkeiten, den Besucherstrom auf andere, weniger attraktive Zeiten umzuleiten.

Schulte erzählte, dass er erst aus der Presse von dem Besuchereintritt erfahren und dem Betreiber sofort mitgeteilt habe, dass das nicht ginge. Die Antwort sei Funkstille gewesen. „Daraufhin haben wir ein Zwangsgeld in fünfstelliger Höhe angedroht, sollte doch Eintritt genommen werden“, sagte Schulte. Trotzdem hätten die Besucher am vergangenen Sonnabend drei Euro löhnen müssen.

Weihnachtsmarktbetreiber äußert sich nicht

Daraufhin habe man angedroht, eine Woche später mit Polizei und Ordnungsamt anzurücken, um die Kassen an den fünf Eingängen zu schließen. Der Veranstalter zog vor Gericht – und unterlag. „Mit mir wird es auch im nächsten Jahr keinen Eintritt für den Weihnachtsmarkt geben. Es sei denn, die Bezirksverordnetenversammlung entscheidet etwas anderes“, sagte Schulte.

Tommy Erbe, der Betreiber des Weihnachtsmarktes, war am Freitag nicht zu sprechen. Er äußerte sich am Nachmittag nur schriftlich zu der Gerichtsentscheidung und den Ankündigungen des Bezirksamtes. Erbe nannte es in der Mitteilung eine Unterstellung des Baustadtrates, der Veranstalter wolle „mit dem Eintritt einen Fuß in die Tür (für weitere Eintritte) bekommen“. Er kündigte aber an, ab sofort und zumindest in diesem Jahr keinen Eintritt mehr für den Weihnachtsmarkt vor dem Schloss Charlottenburg zu verlangen. Er wolle aber „die Erfahrungen aus 2014 in das dann veränderte Antragsverfahren für 2015 einfließen“ lassen.

Ob es dabei um einen regulären Eintritt für den Markt vor dem Schloss gehen wird, war nicht zu erfahren. Genaueres will Erbe am Wochenende bekanntgeben.