Berlin - Im Streit um den Eintritt zum Weihnachtsmarkt vor dem Schloss Charlottenburg wirft der Betreiber dem Bezirksamt vor, widersprüchliche Angaben gemacht zu haben. So seien es Behördenvertreter gewesen, die in Gesprächen zuvor den Vorschlag für einen Eintritt gemacht zu haben. „Wir haben bereits im Herbst vergangenen Jahres zusammengesessen und darüber gesprochen, wie wir die Situation auf dem Markt entspannen können. Da hieß es dann: Nehmen Sie doch Eintritt“, sagte Marktbetreiber Tommy Erbe. Im Übrigen haben ihn niemand darauf aufmerksam gemacht, dass er für einen Markt mit Eintritt einen anderen Antrag als in den Jahren zuvor hätte stellen müssen.

Im nächsten Jahr soll der Weihnachtsmarkt in Charlottenburg wieder Eintritt kosten

Wie berichtet, hatte das Verwaltungsgericht am Donnerstag entschieden, dass nach dem Grünanlagengesetz für den Weihnachtsmarkt kein Eintritt genommen werden dürfe – auch nicht an nur einem Tag in der Woche, wie Erbe es geplant hatte. Der Marktbetreiber hatte am Freitag erklärt, er plane keine mögliche Revision vor dem Oberverwaltungsgericht und verzichte auf einen Eintritt. Zumindest für dieses Jahr. Gleichzeitig kündigte er an, im nächsten Jahr einen neuen Anlauf zu nehmen. „Wir werden das genau prüfen und dann frühzeitig einen entsprechenden Antrag zu stellen“, sagte Erbe. Man wisse inzwischen, dass man einen „Spezialmarkt“ beantragen müsse und nicht wie zuletzt einen einfachen „Jahrmarkt“.

Baustadtrat: „Mit mir wird es auch im nächsten Jahr keinen Eintritt für den Weihnachtsmarkt geben.“

Es scheint zumindest fraglich, ob Erbe damit im nächsten Jahr Erfolg haben wird. Der zuständige Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, Marc Schulte (SPD), hatte am Freitag gesagt: „Mit mir wird es auch im nächsten Jahr keinen Eintritt für den Weihnachtsmarkt geben.“ Es sei denn, das Bezirksparlament entscheide etwas anderes. Er glaube, dass Erbe mit dem Sonnabend-Eintritt in diesem Jahr nur die Akzeptanz für den gesamten Zeitraum des Marktes testen wolle. „Solchem Ansinnen muss man die rote Karte zeigen“, sagte Schulte der der Berliner Zeitung.

Erbe sagt dazu, dass dies nicht im Ermessen Schultes liege und verwies auf Veranstaltungen wie ein Jazzfest an selber Stelle, für die es in den vergangenen Jahren sehr wohl Ausnahmegenehmigungen mit Eintritt gegeben haben. Erbe sprach von einer „politischen Entscheidung“ des Stadtrates. Mit dem Politiker verbinde ihn eine lange Fehde, sagte der Unternehmer. So habe Schulte ihm zuletzt die Genehmigung für das Aufstellen eines Ticketbusses auf dem Kurfürstendamm vorenthalten, von dem aus Erbe seit anderthalb Jahrzehnten Karten für sein Reisebusunternehmen verkaufe. „Dabei habe ich schon vor langer Zeit einen Vergleich mit dem Land Berlin geschlossen, seitdem ist meine Genehmigung immer anstandslos verlängert worden.“ Bis Schulte sich jetzt eingeschaltet habe.

Was die Entwicklung auf dem Weihnachtsmarkt angehe, wolle er für die folgenden Samstage „keine Verantwortung“ übernehme, wenn es etwa wegen Überfüllung Probleme geben sollte. Sollen doch Stadtrat Schulte oder die Polizei dafür sorgen, dass es nicht zu Sicherheitsproblemen komme, so Erbe. Er habe schließlich mit seinem „Pilotprojekt Eintritt“ versucht, die Besucherströme zu kanalisieren. Jetzt habe er die Gerichtsentscheidung zu akzeptieren.