Berlin - Geschnitzte Nussknacker, Räuchermännchen Marke Eigenbau, gebügeltes Geschenkpapier und „Weihnachten in Familie“ auf Schallplatte – was jüngere Leute heute kaum noch kennen, verbinden unzählige Menschen im Osten mit den Weihnachtsfesten, die sie zu DDR-Zeiten feierten.

Manch einer, der dieser Tage seine Weihnachtsdekoration aus dem Keller holt, findet sie noch, die Erinnerungsstücke an längst vergangene Zeiten. Und auch in Spandau leben sie weiter: Dort steht, etwas versteckt, das Depot des Berliner DDR-Museums in der Karl-Liebknecht-Straße in Mitte.

Eine große Halle, Heimat für mehr als 30.0000 einzelne Objekte. Stumme Zeitzeugen, die die Museumsmacher über Jahre sammelten, um die längst vergangenen Zeiten zu erhalten und zu dokumentieren. Der Herr der Dinge ist Jörn Kleinhardt, seit 2017 Sammlungsleiter des Museums.

Reichlich Lametta, Nussknacker und Räuchermännchen

Er verwaltet die Sachen, die nach dem Mauerfall oft in der Tonne landeten. „Die Menschen wollten den Ballast loswerden“, sagt er. „Sie wollten den alten Mief nicht mehr sehen und wenige hatten den Sinn dafür, die Dinge aufzuheben. Aus heutiger Sicht sehr schade.“
Natürlich gibt es hier, wo das Herz der DDR noch schlägt, auch eine Weihnachtskiste. „Es sind sogar fünf, sechs Umzugskartons voller Objekte“, sagt Kleinhardt.

„Vor allem von den typischen Deko-Gegenständen haben wir reichlich: Lametta, Christbaumschmuck, Nussknacker und Räuchermännchen. Der Weihnachtsschmuck kam ja aus der Region Thüringer Wald und aus dem Erzgebirge, wurde auch gern verschickt.“ Im Museum seien solche handgefertigten Dinge nicht ausgestellt.

Sie sind zu fragil – und zu leicht könnte es passieren, dass Museumsbesucher dagegen stoßen. Neben den Defa-Märchen, die zur Weihnachtszeit liefen, waren auch Schallplatten von Bedeutung. Die meisten ehemaligen DDR-Bürger erinnern sich noch an „Bald nun ist Weihnachtszeit“, „Erzgebirgsweihnacht“ und „Weihnachten in Familie“. „Viele hören diese Platten noch. Musik ist immer ein wichtiger Teil des Lebens, deshalb behielten und bewahrten viele DDR-Bürger ihre Musik nach der Wende.“

Geschenkbeschaffung war prägend

Auch Geschenkpapier wurde hier eingelagert – abgenutzt, weil es immer wieder gebügelt und gefaltet wurde. „Es wurde aufgehoben, weil es nicht jedes Jahr das gleiche gab. Wer es aufbewahrte, hatte mehr Auswahl“, sagt Kleinhardt.

Er selbst, aufgewachsen in Neubrandenburg, habe immer Ärger bekommen, wenn er seine Geschenke aufriss. Nach solchen Erinnerungen suchen die Museums-Macher auch im weihnachtlichen Bereich verstärkt – der Ausbau des Depots lebt vor allem von Spendern, die dem Museum ihre Erinnerungsstücke überlassen.

„Wir haben viele Objekte – aber nur wenige, die mit Zeitzeugenberichten verknüpft sind. Interessant wären für uns Weihnachtsgeschenke, zu denen es eine persönliche Geschichte gibt.“ Denn vor allem die Geschenkebeschaffung sei prägend für die Weihnachtszeit in der DDR gewesen, sagt Kleinhardt. „Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass meine Oma in einem Centrum Warenhaus arbeitete. Wenn sie dort Kleidung bekam, besorgte sie mehrere Exemplare – und am Ende hatten alle Cousins und Cousinen die gleichen Sachen an.“