Eine Carrera-Bahn, ein Handy oder sogar ein Pferd – die Wünsche kleiner Kinder zu Weihnachten sind oft groß, was wir der Konsum- und Medienwelt zu verdanken haben, in der die Kleinen heute aufwachsen. Wie sollten Eltern am besten auf sie reagieren?

Das Kind einen Wunschzettel malen oder schreiben zu lassen, hält Jörg Maywald, Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind, für sehr wichtig. „Man sollte das unterstützen, denn es regt dazu an, über sich selbst und seine Wünsche nachzudenken”, sagt er. Zudem erlauben Wunschzettel einen Einblick in die Kinderseele und sie sind auch ein wunderbarer Anlass, mit dem Kind ins Gespräch zu kommen.

Wunschzettel nach „Engelskirchen“ schicken

Ein schöner Brauch ist es, den Wunschzettel auch direkt an den Weihnachtsmann oder an das Christkind zu schicken. Der Weihnachtsmann hat in Deutschland gleich sechs Adressen, man kann die Post beispielsweise adressieren „An den Weihnachtsmann“ in 16789 Himmelpfort oder 99713 Himmelsberg. Das Christkind wohnt in 51766 Engelskirchen oder Kirchplatz 3 in 97267 Himmelstadt. Wer Rückporto beilegt, erhält oft auch eine Antwort.

Damit sich die Kleinen intensiv überlegen, was sie wirklich wollen, können Eltern einen Abgabetermin vereinbaren, etwa den Nikolaustag am 6. Dezember. So bleiben nur von der Weihnachtswerbung geschürte Wünsche außen vor.

Wünsche können auch unrealistisch sein

Jörg Maywald empfiehlt, Wünsche nicht zu schnell in Frage zu stellen und als unrealistisch zu klassifizieren. „Das Wünschen ist frei”, sagt der Experte. „Kinder sollen das Recht haben, ihre Wünsche frei zu äußern.” Ein Wunsch steht für sich, auch wenn man ihn als Erwachsener nicht gut findet. Ein Recht darauf, dass ihnen alle Wünsche erfüllt werden, haben Kinder allerdings nicht – und das ist auch gut so.

„Eltern sollten sich Gedanken machen, was umsetzbar ist. Zu teure oder unangebrachte Wünsche wie ein Handy für einen Fünfjährigen, würde ich nicht erfüllen”, sagt Armin Krenz vom Institut für angewandte Psychologie und Pädagogik in Kiel. Es gehe nicht nur darum, was Kinder wollen, sondern was sie brauchen und was sinnvoll ist. „Die Kleinen können das nicht selbst entscheiden”, so Krenz.

Eltern denken oft, dass sie ihre Kinder glücklich machen, wenn sie alle ihre materiellen Bedürfnisse erfüllen. Oft spielt auch das schlechte Gewissen eine Rolle, weil man wenig Zeit hat. Eltern haben aber eine Verantwortung gegenüber dem Kind und einen Erziehungsauftrag. Und dazu gehört, ihm nicht jeden Wunsch zu erfüllen.

Nicht alles zu bekommen, das schult fürs Leben

„Kinder brauchen die Erfahrung, nicht wunschlos glücklich zu sein”, sagt Jörg Maywald. Nicht immer zu bekommen, was man wolle und zu erfahren, dass nicht alles realistisch ist, sei auch im Hinblick auf das spätere Leben wichtig. Um Enttäuschung an Heilig Abend zu vermeiden, rät Karin Jacob, Erziehungs- und Familienberaterin am SOS-Familienzentrum Berlin, die Vorfreude auf Herzenswünsche nicht zu groß werden zu lassen, wenn man weiß, dass man sie nicht erfüllen wird. „Da ist es besser, vorher zu sagen, dass das nicht geht, das zu begründen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen”, sagt die Psychologin.

Tränen und Frust am Weihnachtsfest sind dennoch nicht immer vermeidbar. „Das gehört manchmal einfach dazu”, so Jacob. Dann gelte es, die Gefühle der Kinder und die eigenen auszuhalten, das Gespräch zu suchen und vor allem das Kind nicht zu beschuldigen, weil es die Weihnachtsidylle stört.

Überraschendes, aber nicht nur Nützliches schenken

Der Wunschzettel ist also keine Bestellliste, die Eltern abarbeiten müssen. Schließlich macht es nicht nur Freude, Wünsche zu erfüllen. Es ist auch schön, sich selbst Gedanken zu machen, was für das Kind passend sein könnte und was man ihm schenken möchte. Gerade bei kleineren Kindern sei der Überraschungseffekt wichtig, er erhöhe auch die Spannung, so Maywald. Auch deshalb empfiehlt es sich, dass Kinder ihren Wunschzettel längere Zeit vor Heilig Abend abgeben, dann sind die Wünsche nicht mehr so präsent.

Jörg Maywald sagt, man solle darauf achten, dem Kind nicht nur Nützliches zu schenken, es habe auch das Recht auf Spiel und Vergnügen. „Das muss in einem ausgewogenen Verhältnis stehen”, so der Experte. Berücksichtigen sollte man auch die Nachhaltigkeit. Wenn man davon ausgehen kann, dass sich Kinder lange mit dem neuen Spielzeug beschäftigen werden, dann ist das ein Pluspunkt. Wird es nach dem Auspacken voraussichtlich nicht viel damit anfangen können, dann sollte man etwas anderes auswählen.

Schön sei auch immer etwas Selbstgemachtes, sagt Maywald und erzählt, er habe für seine Töchter mal ein Puppenhaus gebaut. „Davon haben sie noch 20 Jahre später gesprochen, das sind Dinge von unschätzbarem emotionalem Wert.”