Es gebe tausend Möglichkeiten, eine Haustür aufzuknacken, ohne Spuren zu hinterlassen, sagt Masha Borysenko, Sprecherin des Berliner Vereins Vitsche. Der Einbrecher, der Mitte März in die Wohnung eines Ukraine-Helfers einbrach, habe auf jeden Fall eine davon gekannt. „Die Tür wurde nicht aufgehebelt“, sagt Borysenko.

Ihr Verein Vitsche ist Teil des Netzwerks „Allianz Ukrainischer Organisationen“. Die Aktivistengruppen organisieren gemeinsam Hilfstransporte in die Ukraine und Solidaritätskundgebungen für das von Russland angegriffene Land in Deutschland. Der von dem Einbruch betroffene Helfer sei zeitweise für die Logistik von Hilfslieferungen nach Polen und die Ukraine zuständig gewesen, berichtet die Vitsche-Sprecherin. Er halte sich nun aus Sicherheitsgründen bedeckt.

Das LKA ermittelt

Einbrüche kommen in einer Großstadt wie Berlin natürlich immer wieder vor. Die Umstände haben die Ukraine-Helfer aber stutzig gemacht. So sei nichts entwendet, aber Gegenstände verrückt worden. „Im Badezimmer fand sich ein weißes Pulver, von dem wir nicht wissen, um was es sich handelt“, sagt die Vitsche-Sprecherin. Die Polizei habe Proben entnommen. Noch liege aber kein Untersuchungsergebnis vor, meint Borysenko. Das Landeskriminalamt (LKA) bestätigt die Aussage der Vitsche-Sprecherin, das LKA habe sich in den Fall eingeschaltet. Es liefen Ermittlungen, erklärt ein Sprecher der Behörde.

Die Ukraine-Helferin sieht den Einbruch als Teil einer beunruhigenden Kette von Vorkommnissen. Bei Kundgebungen tauchten Personen auf, die Teilnehmer fotografierten und Drohungen äußerten. „Sie sind zum größten Teil russischsprachig“, sagt Borysenko. Immer wieder spielten auch die Handys von Aktivisten verrückt, sagt die Sprecherin. Sie schildert ein Beispiel. „Ich bekomme einen Anruf von jemandem, der mit mir gechattet hat, aber ich weiß von nichts, weil ich den Chatverlauf gar nicht habe.“ Sie vermutet, dass sich jemand in ihr Mobiltelefon eingehackt hat. Die Hilfsgüterlieferungen würden auf ihrem Weg von Deutschland nach Polen und in die Ukraine regelmäßig sabotiert, sagt Borysenko. Wie genau solche Attacken aussehen, will Borysenko aus Sicherheitsgründen allerdings nicht preisgeben.

Sie sind zum größten Teil russischsprachig.

Masha Borysenko, Vitsche

Die Vitsche-Sprecherin spricht von einer Bedrohungslage von pro-ukrainischen Aktivisten in einem hybriden Krieg, der nicht nur an der Front ausgefochten wird. Lieferungen mit humanitärer Hilfe stünden den strategischen Zielen Russlands entgegen und seien deshalb Ziel von Angriffen, meint sie. Das Verteilen einer unbekannten Substanz im Badezimmer eines Helfers wecke Ängste, da der russische Geheimdienst in den vergangenen Jahren immer wieder in Giftmorde verwickelt war. „Natürlich gibt es da jetzt solche Gedanken. Aber wir behalten einen kühlen Kopf. Wir werden mit unserer Arbeit nicht aufhören“, sagt Borysenko.