Digital studieren ist möglich, doch nicht der allein selig machende Weg.
Foto: Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

BerlinComputer statt Hörsaal: Innerhalb weniger Wochen haben alle Berliner Hochschulen in der Corona-Pandemie im Frühjahr auf digitale Lehre umgestellt. Zum Ende der Vorlesungszeit am 18. Juli ist klar: Das wird auch zu großen Teilen so bleiben.

„Die Lehre im Wintersemester wird erneut im Wesentlichen digital stattfinden“, sagte Hans-Ulrich Heiß, Vizepräsident für Lehre, Digitalisierung und Nachhaltigkeit an der Technischen Universität Berlin (TU). Ausnahmen seien Laborkurse und einige kleinere Seminare. „Wir wollen darüber hinaus für unsere Erstsemester in Bachelor-Studiengängen jeweils eine Pflichtveranstaltung in Präsenz anbieten“, ergänzte er. Gerade für die Anfänger sei es wichtig, Kommilitonen persönlich kennenzulernen, auch, um Lerngruppen zu bilden.

Ähnlich plant die Humboldt-Universität. Ein großer Wunsch sei eine Rückkehr zur Präsenzlehre, sagte Sprecher Frank Aischmann. Doch solange die Pandemie andauere, müssten weiterhin zum Großteil digitale Angebote bereitstehen – allein schon mit Blick auf Risikogruppen und die nötigen Abstände.

„Wir streben daher ein Kombisemester an mit einem hohen Anteil digitaler Lehre“, ergänzte der Sprecher. Prüfungen und Praxisformate sollten jedoch, sofern möglich, als persönliche Begegnung stattfinden. Für die HU sei die Umstellung auf Online-Lehre ein Kraftakt gewesen. Zu rund 87 Prozent sei er aber gelungen – das entspreche rund 5000 Lehrveranstaltungen.

Dabei entstehen auch Ideen. „Einerseits erleben wir gerade schmerzhaft, wie wichtig die Universität mit ihren Ressourcen als Raum zum Lernen, Lehren und Forschen ist“, sagte Aischmann, „andererseits zwingt uns die Diskussion um die Möglichkeiten und Einschränkungen der digitalen Lehre durchaus auch, einiges an der Präsenzlehre zu hinterfragen, was wir bisher einfach als gegeben betrachtet haben.“

Die Freie Universität (FU) gab bereits in der Vergangenheit Online-Kurse und E-Learning, berichtete Präsidenten-Sprecher Goran Krstin. Das aktuelle Sommersemester sei dennoch anders abgelaufen. Zu den Angeboten gehörten zum Beispiel virtuelle Seminare, Fragen per Chat, Diskussionen über Telefon- und Videokonferenzen und eine Twitter-Vorlesung. Zu 90 Prozent habe die FU-Lehre so digital stattfinden können. Im Juni habe man mehr als 350.000 Teilnehmer verzeichnet.

An der TU ist die Bilanz des Sommersemesters durchwachsen. Vor der Pandemie lag der Anteil digitaler Lehrveranstaltungen bei weniger als zwei Prozent, berichtete Heiß. Je nach Fakultät seien nun fünf bis zwanzig Prozent der Veranstaltungen ausgefallen. Inzwischen seien einige mit kleiner Studentenzahl aber wieder angelaufen.

Der Senat hatte den Berliner Hochschulen rund zehn Millionen Euro Zuschuss für das Pandemie-Semester gewährt.