Weiterbau A 100: In Treptow ist noch lange nicht Schluss

Berlin - Können ein Sandhaufen und zwei Spaten gute Laune auslösen? Sie können. Lächelnd mischte sich die Frau im grünen Kostüm unter die Menschen, die sich in Neukölln um die Utensilien für den ersten Spatenstich zum Weiterbau der Autobahn A 100 scharten. „Ich freue mich, dass sich die Vernunft am Ende durchgesetzt hat“, sagte Ingeborg Junge-Reyer. Als sie noch Stadtentwicklungssenatorin war, musste sie sich viel Kritik anhören, weil sie sich für dieses Projekt einsetzte.

Nicht nur Grüne, Linke und Umweltschützer lehnen es bis heute ab: Auch Autobahngegner in Junge-Reyers Partei, der SPD, kämpften lange gegen die A 100 nach Treptow. Doch nun wird sie gebaut.

Am Mittwoch kam die Ex-Senatorin, die keinen Führerschein hat, mit dem Nahverkehr aus dem Norden Berlins, um zu feiern. Dies sei der Baubeginn der „teuersten Autobahn Deutschlands“, wie Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) betonte. Für die 3170 Meter lange, meist sechsspurige Autobahn von Neukölln zur Anschlussstelle Am Treptower Park sind 473 Millionen Euro veranschlagt. Ein kostspieliges Bauvorhaben, fanden auch die rund 50 Gegner, die in Hörweite lautstark protestierten.

Auf sechs Spuren in den Osten

Aber diese Einschätzung war schon die einzige Gemeinsamkeit. „Auch in einer Stadt wie Berlin muss es möglich sein, Verkehrsinfrastruktur zu bauen“, sagte Ramsauer, bevor er mit Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) zum Spaten griff. Die Autobahn werde Verkehrsströme bündeln. „Oder ist es jemandem lieber, dass der Verkehr durch Wohngebiete führt?“ Die erste Verlängerung des Stadtrings in den Osten Berlins sei auch eine „Verpflichtung aus der deutschen Einheit und damit ein Brückenschlag zwischen Ost und West“, sagte der Minister.

Vor allem der Lärmschutz macht die Autobahn teuer. An der Grenzallee führt sie durch einen 385 Meter langen Tunnel mit acht Fahrspuren. Ein 2250 Meter langer und sieben Meter tiefer Geländeeinschnitt schließt sich an. Dies wird Berlins erste Autobahn mit „Flüsterasphalt“ sein, was ebenfalls zusätzlich kostet. Je nach Abschnitt werden täglich bis zu 105.000 Fahrzeuge erwartet. „Es ist wichtig, dass wir Verkehre auf leistungsfähigen Straßen aufnehmen können“, sagte Müller. Allerdings sei der Weiterbau der A 100 ein „Eingriff in die Stadtentwicklung“.

Tunnel unter Friedrichshain

Mehr als 300 Kleingärten würden abgeräumt, 450 Bäume gefällt und die Wohnhäuser Beermannstraße 20 und 22 abgerissen, kritisierten Demonstranten. „Die SPD ist Teil der Baulobby“, sagte Norbert Rheinlaender von der Bürgerinitiative Westtangente. Während des Baus müsse der S-Bahn-Ring sechs Wochen lang und an 40 Wochenenden gesperrt werden. Nach der Fertigstellung seien rund um den nördlichen Endpunkt Staus zu erwarten, zum Beispiel auf der Elsenbrücke.

Doch der 16. Abschnitt des Stadtrings, der Ende 2021/ Anfang 2022 fertig werden soll, soll nicht auf Dauer hier enden. Die A 100 soll zur Frankfurter Allee führen, bekräftigte Müllers Staatssekretär Christian Gaebler (SPD). „Wir wollen erreichen, dass die Weiterführung im Bundesverkehrswegeplan gesichert wird.“ Dort soll das Projekt in der Liste „vordringlicher Bedarf“ eingeordnet werden und damit eine größere Dringlichkeit erhalten als bisher.

Der 17. Bauabschnitt wird noch komplizierter als der 16. Dort soll die A 100 in einem Doppelstocktunnel, für den am Ostkreuz bereits Teile betoniert werden, unter Friedrichshain verlaufen. Ramsauer sagte am Mittwoch, dass er auch den 17. Bauabschnitt für überfällig halte. Die Zuständigen der Senatsverwaltung stehen bereit, sagte Tiefbau-Chef Lutz Adam. „Wir könnten sofort mit der Planung beginnen.“