Ist das noch liebenswerte Nostalgie? Oder provinzielle Verbohrtheit? Während andere europäische Städte Straßen für Autos sperren und in den USA der Rückbau von innerstädtischen Freeways längst begonnen hat, denkt man in Berlin über die erneute Verlängerung der Stadtautobahn nach. 17. Bauabschnitt der A100: Hinter diesem technokratischen Namen verbirgt sich ein Wahnsinnsprojekt, das nicht mehr in die Zeit passt. Sich jetzt noch für den Bau eines sechsstreifigen Doppelstocktunnels in Wohnvierteln einzusetzen, ist ungefähr so, wie den Einsatz von DDT in der Landwirtschaft zu fordern oder ernsthaft über die Wiedereinführung der Prügelstrafe für unbotmäßige Schüler nachzudenken.

Stau trotz 26 Fahrstreifen

Natürlich, auf dem Papier sieht auch die Verlängerung der A100 über Treptow hinaus nach Friedrichshain und Lichtenberg gut aus. Der Plan erweckt den Eindruck, als ob sich viele Relationen verkürzen und der Osten besser erreichbar sein wird. Am Wochenende regte die CDU Berlin eine „Klimaautobahn“ mit Radweg und Verkehrsberuhigung in den umliegenden Kiezen an. Schöne neue Klimawelt Berlin – dank A100!

Schade nur, dass das alles ziemlich unrealistisch ist. Die Schönefeld-Autobahn 113 ist nur eines von vielen Projekten, bei denen die Planer verhießen, im Umfeld den Verkehr zu beruhigen – und ihre Versprechen nicht hielten. Denn fast immer führten die Schnellstraßen auf den Zulaufstrecken zu mehr Betrieb. Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten, das sollte sich eigentlich herumgesprochen haben. Der Katy Freeway in Houston (USA) wurde über die Jahre auf 26 Fahrstreifen verbreitert – trotzdem gibt es weiter Stau.

Wenn es der Bund schaffen sollte, den 17. Bauabschnitt der A100 tatsächlich zu bauen, werden mehr als zwei Jahrzehnte vergangen sein. Mal sehen, wie der innerstädtische Verkehr dann aussehen wird. Als Radschnellweg wäre der Ring nicht schlecht.