Berlin - Das historische Zentrum wird für sieben Jahre zur Großbaustelle. Das größte innerstädtische Verkehrsprojekt der nächsten Jahre, das Berlin drei prachtvolle neue U-Bahnhöfe und eine weitere Ost-West-Verbindung bescheren wird, beginnt. „Mitte März 2012 wollen wir mit dem Weiterbau der U-Bahn-Linie 5 anfangen“, sagt Sigrid Evelyn Nikutta, Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). „Die Baustelle wird für Unruhe in Berlin sorgen. Man wird uns hören und sehen können“, sagt Projektleiter Jörg Seegers.

Am Ufer des Marx-Engels-Forums sind schon Maschinen aufgefahren. Dort hat die letzte Etappe der Bauvorbereitungen begonnen. „An der Spree entsteht jetzt ein Hafen, 80 Meter lang und 9 Meter breit“, erklärt Seegers. Täglich bis zu drei Schiffe werden das Becken ansteuern – beladen mit Betonelementen für die beiden Tunnelröhren, mit denen die rund 2,2 Kilometer lange Lücke zwischen den U-Bahnhöfen Alexanderplatz und Brandenburger Tor geschlossen wird. Andere Kähne nehmen 120000 Kubikmeter Steine, Sand und anderes Erdreich auf – was bei der Tunnelbohrung, die 2013 beginnt, so anfällt. „Unsere Baulogistik erspart Berlin viele tausend Lkw-Fahrten“, sagt der Projektleiter.

Autofahrer müssen trotzdem mit Verkehrsbehinderungen rechnen, bereits von März an – sofern nicht vergaberechtliche Streitigkeiten den Baubeginn verzögern. Die größte Baustelle entsteht, wo die Friedrichstraße die Straße Unter den Linden kreuzt. Dort wird in einer mehr als 20 Meter tiefen Grube die Station Unter den Linden betoniert. Die von Süden einmündende Friedrichstraße wird zur Sackgasse. Bis Ende 2013 bleibt auch die Südfahrbahn Unter den Linden gesperrt, der Verkehr muss sich auf jeweils zwei schmalen Fahrstreifen pro Richtung die Nordfahrbahn teilen. Noch stärker wird der Boulevard Unter den Linden am Deutschen Historischen Museum verengt, wo ebenfalls von März an in 16,50 Meter Tiefe der U-Bahnhof Museumsinsel entsteht.

Drei prachtvolle Bahnhöfe sollen entstehen

Doch die Station neben dem geplanten Schloss-Neubau zeigt, dass sich der Stress lohnt. Denn sie wird zu den schönsten Bahnhöfen Berlins gehören – wegen ihres Sternenhimmels. Der Architekt Max Dudler ließ sich von einem Bühnenbild inspirieren, das der Baumeister Karl Friedrich Schinkel einst für Mozarts „Zauberflöte“ gemalt hat. Die Züge werden in zehn Meter hohen blau bemalten Gewölben halten, in denen Lichtpunkte strahlen. Ingrid Hentschel und Axel Oestreich zeichnen für den U-Bahnhof Unter den Linden verantwortlich. Dort halten die Züge in einer großzügigen Halle, eine Lichtdecke spendet Helligkeit. Auch die Station Berliner Rathaus wird ein Anziehungspunkt. Für sie entwarf der Architekt Oliver Collignon pilzförmige Stützen, die an die gotischen Kreuzgewölbe des alten Rathauses erinnern sollen.

Unvorhergesehene Zusatzkosten

Im Sommer 2019 soll die Strecke fertig sein – und die U 5 zwischen Hönow und Hauptbahnhof fahren. Ohne Hightech wäre der Bau nicht möglich. Um das Grundwasser in Schach zu halten, wird für den Rohbau des U-Bahnhofs Museumsinsel der Boden vereist. Entlang der gesamten Strecke stellen Messfühler fest, ob Gefahren drohen. Doch hundertprozentige Sicherheit gebe es nicht, sagt Jörg Seegers. „Wenn wir den Weiterbau der U 5 ganz ohne Probleme schaffen, wäre ich der glücklichste Mensch der Welt.“

433,2 Millionen Euro sind eingeplant. Die Planer bemühen sich, dass es dabei bleibt. Ein interner Bericht listet „Kostenänderungen“ auf, die sich auf geschätzte 22 Millionen Euro summieren. So könnte die Öffentlichkeitsarbeit teurer werden. Nicht ausgeschlossen sei auch, dass als Reaktion auf den Tunneleinsturz in Köln höhere Versicherungsprämien fällig werden. Die BVG geht davon aus, dass das Projekt dadurch insgesamt nicht teurer wird. Diese Kostenerhöhungen ließen sich ausgleichen, für derlei Unvorhergesehenes wurde Geld eingeplant. Es gibt aber noch Kostenrisiken, die BVG und Senat auf etwas mehr als 20 Millionen Euro beziffern. „Dazu sind wir im Gespräch“, sagt Behördensprecher Mathias Gille.