Auch einige Kanalarbeiter der Berliner Wasserbetriebe beteiligen sich am Warnstreik.
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BerlinKann ich mir heute in Berlin noch die Hände waschen und auf die Toilette gehen? Oder muss ich damit rechnen, dass mitten beim Duschen das Wasser ausbleibt? Diese berechtigen Fragen steht seit Freitagmorgen im Raum, denn bei den Berliner Wasserbetrieben läuft ein mehrstündiger Warnstreik. Der Betrieb stellt den Berlinern aktuell nicht nur jeden Tag etwa 630.000 Kubikmeter Wasser zur Verfügung, sondern sorgt auch dafür, dass das Abwasser gereinigt wird, dass Leitungen erhalten, saniert und neu gebaut werden. Der Betrieb hat 4500 Mitarbeiter, von denen etwa die Hälfte Corona-bedingt im Homeoffice ist.

Trotzdem versammelten sich die Streikenden an elf Standorten der Wasserbetriebe. Je nach Standort beteiligen sich nach Angaben der Gewerkschaft Verdi 20 bis 80 Mitarbeiter. So standen am Vormittag zum Beispiel die Streikenden vor einem Ingenieur-Standort am Hohenzollerndamm im Regen. Vom Streik betroffen waren auch drei der neun Wasserwerke, eines der sechs Klärwerke, das in Ruhleben, aber auch zwei Rohrnetzbetriebsstellen. Davon gibt es, weil Berlin so groß ist, insgesamt vier. Die haben sich die Stadt quasi aufgeteilt und kümmern sich dort um die Pflege und Erhaltung des Rohrnetzes und legen auch Anschlüsse an Privathaushalte. Betroffen waren auch zwei Kanalbetriebsstellen.

Die ersten Streiks begannen gegen 6 Uhr, andere begannen um 7 Uhr oder um 9 Uhr. Die Gewerkschaft hat angekündigt, dass an jedem Standort immer nur maximal vier Stunden gestreikt wird. Es kann also bis zum frühen Nachmittag dauern.

„Auswirkungen hat ein solcher Streik natürlich, denn jeder Mitarbeiter hat ja eine wichtige Aufgabe zu erfüllen“, sagt der Unternehmenssprecher Stephan Natz. „Allerdings hat ein solcher Warnstreik keine Auswirkungen für die Kunden, die zu Hause duschen.“

Die Streiks sind eine Reaktion auf das Scheitern der bisherigen Tarifverhandlungen. Bei der zweiten Verhandlungsrunde hatte es in der vergangenen Wochen keine Annäherungen gegeben. Verdi und der Beamtenbund  fordern 4,8 Prozent mehr Lohn oder mindestens 150 Euro mehr. Die Gewerkschaften wollen, dass diese Erhöhung nur ein Jahr gilt, damit dann für neue Erhöhungen gekämpft werden kann. Die Arbeitgeber in den Kommunen wollen allerdings eine längere Laufzeit. Die Gewerkschaften argumentieren: Gerade in der Corona-Zeit hätten die Mitarbeiter des Bundes und der Kommunen gezeigt, dass sie ein wichtiges Rückgrat der Gesellschaft sind. Die Gegenseite sagt, dass die Kommunen gerade wegen der Pandemie kein Geld übrig hätten zum verteilen.

Bei den Berliner Wasserbetrieben läuft die Bereitstellung des Wasser von den Pumpen über die Wasserwerke über die Leitungen bis zum heimischen Wasserhahn weitgehend automatisiert. Die Mitarbeiter überwachen die Wasserproduktion nur. In den Leitzentralen der Wasserwerke sitzen sie vor Monitoren und überprüfen die eingehenden Werte.

In den Leitständen der Wasserwerke wird nicht gestreikt. „Unsere Mitarbeiter sind sich ihrer Verantwortung bewusst“, sagte Unternehmenssprecher Natz. Denn es gehe nicht nur um Wasser für die Toilettenspülung. Am System hängen auch Dialysestationen, Krankenhäuser oder Firmen, die ständig Wasser benötigen, und auch die Feuerwehr. Auch werden bei Streiks keine Klärwerke abgeschaltet. Denn in einzelnen Becken dort arbeiten Unmengen von Bakterien, die das Wasser reinigen und „sauber fressen“. Es sind komplexe biologische Prozesse, die nicht gestoppt werden sollen, weil sie sonst so schnell nicht wieder in Gang kommen.

Aber es gibt durchaus direkte Auswirkungen für die Kunden: Beispielsweise kann es sein, dass die Monteure, die am Freitag sich zu einem Termin für den Wechsel des Wasserzählers angemeldet hatten, nicht kommen. Oder dass Beratungsbüros für einen Hausanschluss zeitweise nicht besetzt sind. Oder dass sich die Sanierung eines Kanals verzögert.

Der Warnstreik hat also tatsächlich Auswirkungen, ist aber vor allem ein symbolischer Akt, um die Aufmerksamkeit der Bevölkerung zu gewinnen.