Am kommenden Mai-Wochenende wird so viel demonstriert wie seit Jahren nicht mehr. Der Grund dafür sind die weggefallenen Corona-Beschränkungen und die Vielzahl von Anmeldungen politischer Veranstaltungen. Allein bei einer Fahrradsternfahrt in den Grunewald und der „Revolutionären Mai-Demonstration“ rechnet die Polizei mit einer „hohen fünfstelligen Zahl“ an Teilnehmern. Die Polizei wird nach eigenen Angaben mit rund 5000 Beamtinnen und Beamten im Einsatz sein.

Veranstaltungen zur Walpurgisnacht am Sonnabend:

15 Uhr, Rigaer Straße, Friedrichshain: In der Nähe des von Linksautonomen teilbesetzten Hauses Rigaer Straße 94 wird am Nachmittag ein Straßenfest gefeiert. Anlass ist die Gründung des bekannten Hausprojekts vor 32 Jahren. Das Motto der Feier: „32 Jahre Gentrifizierung, Widerstand, selbstbestimmtes Leben und ganz viel Scheiß. Wir bleiben alle!“

15 Uhr, Leopoldplatz, Wedding: Unter dem Motto „Von der Krise zur Enteignung! Die Reichen sollen zahlen!“ fordert die Weddinger Initiative „Hände weg vom Wedding“ bei einer Kiezdemonstration die Enteignung deutscher Rüstungskonzerne und der Wohnungsbaugesellschaft Deutsche Wohnen. Außerdem lautet eine Protestforderung: die „Vergesellschaftung der gesundheitlichen und sozialen Versorgung“.

16 Uhr, Adalbertstraße, Kreuzberg: Protest gegen die geplante Polizeiwache am Kottbusser Tor. Das Bündnis „Kotti für alle“ will bei einer Kundgebung gegen „das nächste irrsinnige Berliner Millionengrab“ protestieren. Mehr Polizei bedeute mehr rassistische Kontrollen, mehr Schikanen und Gewalt gegen gesellschaftlich ausgegrenzte Menschen, heißt es in dem Aufruf unter anderem.

20 Uhr, Mauerpark, Prenzlauer Berg: „Take Back the night“. Die „Feministische Demo gegen Sexismus und patriarchale Gewalt“ zieht über die Oderberger Straße, Kastanienallee, Schwedter, Rheinsberger, Brunnen-, Linien-, Gormann-, Torstraße, Alte Schönhauser Straße, Münz-, Memhardt-, Alexander- zur Otto-Braun-Straße. Zu Demo aufgerufen sind „Frauen, Lesben, Inter, Nonbinary, Trans, Agender“. Radikale Feministinnen, die Transidentität als solche infrage stellen, sind laut Aufruf bei der Demo ausdrücklich nicht willkommen.

Grafik: BLZ/Galanty

Veranstaltungen zum 1. Mai am Sonntag:

10.15 Uhr, Alexanderstraße, Mitte: Fahrradkorso und Skater-Demo des DGB unter dem Motto „GeMAInsam Zukunft gestalten“. Die Route verläuft über die Karl-Marx-Allee, Lichtenberger Straße, Holzmarktstraße, Bethanien-, Engeldamm, Michaelkirchplatz, Annenstraße, Heinrich-Heine-Straße, Moritzplatz, Oranien-, Linden-, Alte Jakobstraße, Linden-, Gitschiner Straße, Hallesches Ufer, Wilhelm-, Stresemannstraße, Potsdamer Platz, Ebertstraße, Platz des 18. März am Brandenburger Tor.

Grafik: BLZ/Galanty

10.15 Uhr, Alexanderstraße: Motorradkorso des DGB über Otto-Braun-, Moll-, Tor-, Brunnen-, Badstraße, Prinzenallee, Osloer, Bornholmer, Wisbyer, Ostsee-, Michelangelo-, Kniprode-, Danziger, Petersburger Straße, Bersarinplatz, Petersburger, Warschauer Straße, Oberbaumbrücke, Oberbaum-, Skalitzer Straße, Kottbusser Tor, Kottbusser Damm, Hermannplatz, Hasenheide, Südstern, Gneisenaustraße, Mehringdamm, Duden-, Kolonnen-, Hauptstraße, Innsbrucker Platz, Wexstraße, Bundesplatz, Bundesallee, Badensche, Berliner,  Brandenburgische Straße, Fehrbelliner Platz, Brandenburgische Straße, Lewisham-, Kaiser-Friedrich-, Bismarck-, Leibnitz-, Cauerstraße, Dovebrücke, Helmholtzstraße, Gotzkowskybrücke, Levetzowstraße, Hansabrücke, Altonaer Straße, Großer Stern, Straße des 17. Juni, Yitzhak-Rabin-Straße, Platz des 18. März.

10.45 Uhr, Alexanderstraße: Traditionelle DGB-Demo „GeMAInsam Zukunft gestalten“, zu der mehrere Zehntausend Teilnehmer erwartet werden. Die Route verläuft über Karl-Liebknecht-Straße, Schloßplatz, Unter den Linden, Friedrichstraße, Reinhardt-, Luisen-, Dorotheen-, Ebertstraße zum Platz des 18. März. Die Abschlusskundgebung ist dort gegen 12 Uhr. Das Grußwort hält Franziska Giffey, Regierende Bürgermeisterin von Berlin. Bis 14.30 Uhr dann Bühnenprogramm mit Live-Musik mit Kat Frankie.

10 Uhr, Fahrradsternfahrt nach Mitte und dann in den Grunewald: „Die Grunewalder:innen abholen – Die Umverteilung auf die Kette kriegen“. Route aus Wedding: Badstraße, Brunnenstraße, Rosenthaler Platz, Torstraße, Alte-Schönhauser, Münz-, Memhard-, Karl-Liebknecht-, Spandauer Straße, Rotes Rathaus mit Zwischenkundgebung.

Grafik: BLZ/Galanty

Route aus Friedrichshain: Laskerstraße, Markgrafendamm, Bosse-, Persius-, Corinth-, Modersohnstraße, Modersohnbrücke, Gärtnerstraße, Wühlisch-, Kopernikus-, Warschauer Straße, Frankfurter Tor, Karl-Marx-Allee, Strausberger Platz, Karl-Marx-Allee, Karl-Liebknecht-Straße, Spandauer Straße, Rotes Rathaus.

Route aus Neukölln: Hohenstaufenplatz, Kottbusser Damm, Kottbusser Tor, Adalbert-, Oranienstraße, Moritzplatz, Heinrich-Heine-, Brücken-, Alexander-, Grunerstraße, Karl-Marx-Allee, Karl-Liebknecht-, Spandauer Straße, Rotes Rathaus.

Nach der Zwischenkundgebung geht es weiter: Neptunbrunnen, Spandauer-, Leipziger Straße, Leipziger Platz, Potsdamer Platz, Potsdamer-, Bülow-, Kleiststraße, Wittenbergplatz, Tauentzien, Kurfürstendamm, Rathenauplatz, Hubertusallee, Bismarckplatz, Bismarckallee, Johannaplatz, Ringstraße, Bismarckallee, Königsallee, Hagenplatz, Hagenstraße, Teplitzer Straße, Hohenzollerndamm, A100 Auffahrt Hohenzollerndamm, A100 Abfahrt Oberlandstraße, Silbersteinstraße, Karl-Marx-Straße, Kreuzung Werbellinstraße.

12 Uhr, Mariannenplatz, Kreuzberg: 1.-Mai-Fest der Partei Die Linke.

15 Uhr, Wiesen-, Ecke Uferstraße, Wedding: Gedenken an den „Weddinger Blutmai 1929“ an der Gedenktafel an der Panke. Dort will die Stadtteil-Initiative der nach ihren Angaben „33 ermordeten Arbeiter*innen“ und weiteren Verletzten bei der Demonstration gedenken, nachdem diese damals vom SPD-geführten Polizeipräsidium verboten worden war.

18 Uhr, Herzbergstraße, Neukölln: „Revolutionärer Erster Mai: Yallah Klassenkampf – No war but classwar!“ Nach dem Willen der Anmelder soll die Route über die Sonnenallee führen sowie über Hermannplatz, Kottbusser Damm, Kottbusser Tor, Adalbert-, Oranienstraße zum Oranienplatz.

Grafik: BLZ/Galanty

Die Route ist nach Angaben der Versammlungsbehörde der Polizei noch strittig, da auf dem angemeldeten Streckenverlauf drei Straßenfeste liegen, die vom Bezirksamt organisiert werden. So lädt das Bezirksamt Neukölln um 19 Uhr zum öffentlichen Fastenbrechen auf der Sonnenallee ein.

Das Organisatoren-Bündnis ist davon überzeugt, dass Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) damit versuche, das Grundrecht auf Versammlung zu beschneiden, „indem er Straßenfeste aus dem Boden stampft“. Bündnissprecherin Aicha Jamal erklärte dazu: „Wie wenig das Bezirksamt an dem Leben von Muslimen interessiert ist, zeigt schon alleine die Tatsache, dass Iftar (Fastenbrechen) erst nach Untergang der Sonne, am 1. Mai also um 20.33 Uhr, beginnt.“