Berlin - Der gescheiterte Zusammenschluss von Vonovia und Deutsche Wohnen führt auf dramatische Weise vor Augen, welche Fehlentwicklung die bundesdeutsche Wohnungspolitik genommen hat. Hunderttausende Wohnungen einer einst gemeinnützigen Wohnungswirtschaft sind heute in den Händen börsennotierter Unternehmen, deren Kurs nicht mehr alleine durch die Firmenchefs, sondern durch das spekulative Handeln einzelner Aktionärsgruppen bestimmt wird. Im vorliegenden Fall haben sich diese aber ganz offenkundig verzockt, wenn sie darauf spekuliert haben sollten, dass sie ihre Aktien der Deutsche Wohnen noch teurer verkaufen können, sobald die benötigte Mindestzahl von 50 Prozent für die Übernahme durch die Vonovia zusammengekommen ist. Pech gehabt. Die Quote von 50 Prozent wurde nicht erreicht. Damit haben sich die Erwartungen auf noch höhere Gewinne zerschlagen.

Wer meint, dass es in Ordnung ist, wenn Hedgefonds oder andere Anlegergruppen über die Zukunft von Wohnungen und das Schicksal der darin lebenden Menschen mitentscheiden, der wird an dieser Entwicklung wenig auszusetzen haben. All jene, die meinen, dass Entscheidungen über das Wohnen ein hohes Maß an sozialer Verantwortung und Berechenbarkeit verlangen, werden sich dagegen bestätigt sehen, dass Wohnungen nichts in den Händen eines börsennotierten Unternehmens zu suchen haben.

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