Versteht ein Hund nur eine Sprache?
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BerlinAls mein Hund Joppie am 1. August 2011 in Prenzlauer Berg geboren wurde, wohnte ich in Tempelhof und hatte gerade mein Bachelorstudium beendet. Ich war damals 24 und konnte mir die Lebensspanne eines Hundes kaum vorstellen, was ziemlich logisch ist, denn in Australien ist mal ein Hund ganze 29 Jahre, 6 Monate und 12 Tage alt geworden und ich bin mir nicht sicher, ob ich damals in Berlin überhaupt irgendwen kannte, der so alt war.

Joppie sah jedenfalls aus wie ein zerknittertes Meerschweinchen mit Kurzhaarschnitt und bestimmt ein halbes Jahr lang lebte ich in der ständigen Angst, dass ich ihn versehentlich umbringen würde, weil er beispielsweise auf die Straße rennt, während ich gerade nicht hinschaue, oder ich ihn, nachdem er nachts zu mir ins Bett gekrabbelt ist, versehentlich im Schlaf zerquetsche.

Einzige Konstante im Hundeleben

Nichts von alldem ist passiert: Während ich mein Masterstudium anfing und beendete, meinen ersten Job annahm und wieder kündigte, von Berlin nach Rotterdam und schließlich von dort aus nach Hamburg zog, Freundschaften schloss und die neuen Freunde wieder aus den Augen verlor, war Joppie da.

In dem Augenblick, in dem ich diese Kolumne schreibe, liegt er am Fußende meines Betts und guckt mich ein bisschen verliebt an, denn genauso wie er der kleine plüschige Trabant ist, der unbeirrt um mein Leben kreist, ganz egal, wo und wie es gerade stattfindet, bin ich wohl auch die einzige Konstante in seinem ansonsten sehr verwirrenden Hundeleben.

Joppie: Eine holländische Frittensoße

Vor ein paar Monaten sind Joppie und ich jedenfalls nach Amsterdam gezogen, was uns vor einige Probleme stellt. Ich habe Joppie damals in Berlin nach einer holländischen Frittensoße benannt, was auf der einen Seite (damit meine ich die Seite, in der ich in Berlin wohne und niemand Joppiesoße kennt) ziemlich egal ist, aber auf der anderen Seite (das wäre dann die Amsterdamer Seite, in der ich ständig in aller Öffentlichkeit den Namen einer bekannten Soße brüllen muss) auch etwas peinlich. Wahrscheinlich könnte ich ihn auch einfach Floppi, Kloppi oder Schrottie rufen, denn ich bin mir relativ sicher, dass Joppie gar nicht weiß, dass er Joppie heißt.

Wir sprechen deutsch miteinander, also hauptsächlich spreche ich und er hört zu. Dank eines abgeschlossenen Niederlandistikstudiums wäre ich durchaus auch in der Lage, niederländisch mit meinem Hund zu sprechen und, glauben Sie mir, auf die erschrockenen Gesichter von niederländischen Rentnern, wenn hinter ihnen ein junger Deutscher „Halt!“, „Warte!“, „Sitz!“ und „Achtung!“ ruft, kann ich wirklich gut verzichten.

Ist Deutsch die Sprache der Liebe?

Trotzdem fühlt es sich auf sehr vielen Ebenen falsch an, mit meinem Hund nicht deutsch zu sprechen. Ein Freund aus den USA hat mir übrigens mal erzählt, dass viele Amerikaner auch deutsch mit ihren Hunden reden, was entweder daran liegt, dass Deutsch insgeheim doch die Sprache der Liebe ist, oder daran, dass sich einsilbige Kommandos traditionell dann eben doch besser auf deutsch bellen lassen.

Wie dem auch sei, manchmal mache ich mir ernsthaft Sorgen, dass Joppie die anderen Hunde in Amsterdam gar nicht versteht, ja, dass es vielleicht doch so etwas wie Hundesprachen und -dialekte gibt. Dann fällt mir aber auch gleich wieder ein, dass man sich um eine Gruppe in Sachen Fremdsprachenerwerb wirklich keine Sorgen machen muss: Achteinhalbjährige aus dem Prenzlauer Berg.