Eirik Randow (30) möchte gern einen Surfpark bauen.
Foto: Sabine Gudath

BerlinWer schon einmal auf einem Surfbrett gestanden hat, schwärmt von den riesigen Wellen, vom Wind in den Haaren, vom Gefühl der Freiheit, vom Adrenalin, das den Körper durchflutet. Als Eirik Randow zum ersten Mal auf dem Brett stand und eine Welle erwischte, wurde auch er gepackt. „Es war in Santa Cruz in Kalifornien“, sagt er. „Und danach war mein Schicksal besiegelt. Ich wusste: Wellenreiten wird in der Zukunft die Weichen in meinem Leben stellen.“ Schon als Kind sei er zum Windsurfen gegangen, sein Vater habe ihn im Alter von vier Jahren erstmals auf ein Brett gestellt. Aber dann, während eines Schüleraustauschs im Alter von 15 Jahren, kam er in Amerika zu einer Familie, in deren Leben das Surfen große Bedeutung hatte. „Also ging ich mit – es hat mich nicht mehr losgelassen.“

Park zum Wellenreiten in Berlin

Das Feuer war entfacht. Heute will der 30-Jährige dieses unbeschreibliche Gefühl auch anderen Menschen zugänglich machen. Auf einem ungewöhnlichen Weg: Mit einem Team aus Freunden will er in den kommenden Jahren einen Park zum Wellenreiten eröffnen. Bis zu sechs Hektar groß soll das Gelände sein, das Randows Start-up „Surf Era“ entwickeln will. Kernelement: Ein 150 mal 150 Meter großes Becken zum Surfen, mehr als fünf Fußballfelder groß, mit einer Technologie, die Wellen unterschiedlicher Höhe, Frequenz und Intensität erzeugt. Mit einem sonnendurchlässigen, ein- und ausfahrbaren Dach, das das Surfen auch im Winter möglich macht. Ringsumher Platz für Restaurants, Läden und Wellnessangebote, „ein Sport- und Erholungszentrum“, schwärmt Randow. Nach ersten Hochrechnungen könnte das rund 36 Millionen Euro kosten.

Die Suche nach dem Grundstück

Es hört sich verrückt an, aber wer Randow und sein Team in ihrem Planungsbüro in Adlershof besucht, der bemerkt sofort, dass das Projekt Surfpark nicht nur ein Hirngespinst ist. Überall hängen Visualisierungen und Architekturmodelle. „Wir konnten sogar einen Projektentwickler für den Plan begeistern, der den Park finanzieren würde“, sagt Randow. „Aktuell suchen wir nach einem Grundstück. Wir haben schon eine Idee und sind in Gesprächen und Verhandlungen.“ Wo sich der Park genau befinden soll, verrät er nicht. Nur, dass er im Idealfall im Südosten Berlins liegen könnte und somit in einer halben Stunde vom Zentrum aus erreichbar wäre.

Wie aber kommt man auf so eine Idee? Randow studierte Sport und BWL, wollte beides kombinieren – und verfolgte mit Begeisterung das Vorhaben von 2013, das einen Surfpark für das Tempelhofer Feld vorsah. Im Zuge der Bebauungs-Debatte wurde der Plan gekippt. „Also dachte ich: Dann mache ich es selbst.“ Nach und nach versammelte er Studienkollegen und Freunde um sich, stellte ein Team zusammen, gemeinsam starteten sie in die Planung. Besonderen Wert wollen Randow und sein Team auf Nachhaltigkeit legen. Allein die Technik für die Wellen verbraucht pro Jahr so viel Strom wie 400 Einfamilienhäuser. Der Park soll aber so konstruiert sein, dass er mit regenerativen Energiesystemen seinen eigenen Strom erzeugt. 7 000 Quadratmeter Solaranlagen sollen dafür sorgen, auf dem Dach und an den Wänden. Im Netz informiert das Team auf der Internetseite surf-era.com über den Planungsstand, für die laufende Feinplanung läuft zudem eine Crowdfunding-Kampagne auf Startnext, bei der Surf-Fans aus der ganzen Welt spenden können – mehr als 31000 Euro kamen hier bisher zusammen.

Surfparks, ein weltweiter Trend

Mit der Idee sind Randow und sein Team nicht allein – im Gegenteil. „Wir sind Teil eines weltweiten Trends, denn der Surfsport wird populärer“, sagt er. Grund könne sein, dass das Wellenreiten zur olympischen Disziplin ernannt wurde, bei den Sommerspielen in Tokio wird erstmals ein Wettkampf im Surfen ausgetragen. Richtige Surfparks mit Wellen-Pools gibt es aber selten. „Momentan sind sie bereits in Wales, Kalifornien und Texas zu finden, es sind aber eine Vielzahl internationaler Anlagen in Planung.“ Für die rund 500 000 Wellenreiter, die es laut Statistik in Deutschland gibt, ist aber kaum Infrastruktur vorhanden. In Berlin   wird es demnächst zumindest eine kleine Anlage geben: Noch in diesem Jahr soll in Lichtenberg das „Wellenwerk“ entstehen, ein Wellenbecken für Surfer. In der Landsberger Allee wurde dafür lange gebaut, am Freitag wird hier Teileröffnung des Wellen-Bereichs gefeiert. In den kommenden Monaten sollen Surfbrett-Werkstatt, Bar, Restaurant und Biergarten folgen.

Trotz des Konkurrenzprojekts glaubt Randow daran, dass es auch für seinen Surfpark noch genug Potenzial gibt. „Mit mehr als 3,1 Millionen Einwohnern im Alter zwischen 15 und 65 Jahren bietet die Metropolregion ein enormes Besucherpotenzial“, heißt es in seinem Konzept. „Hinzu kommen die rund 13 Millionen Touristen, die Berlin pro Jahr besuchen.“

Ein solcher Park passe zudem zur Vielschichtigkeit Berlins, könne sogar in der sozialen Arbeit eingesetzt werden, beispielsweise bei der Arbeit mit Jugendlichen und Integrationsprojekten. Und der Park könnte nach Randows Ansicht eine Landmarke werden: „Das 50 Meter hohe Dach wäre ein neues Wahrzeichen für Berlin.“