Berlin - Hello Ladies!“, ruft Heide Meyer mit kräftiger Stimme. Das tut sie seit Mittwoch ziemlich oft. Denn Heide Meyer, eine energische blonde Frau von 67 Jahren, ist die Berliner Vorsitzende des Verbandes deutscher Unternehmerinnen (VdU). Deswegen fühlt sie sich mit verantwortlich dafür, dass beim 60. Weltkongress der Unternehmerinnen, der bis zum Wochenende erstmals in Berlin stattfindet, nicht allzu viel durcheinandergeht.

„Female Global Networking“ steht auf dem Programm, das jede der 600 Besucherinnen aus 40 Ländern in die Hand bekommt. Es ist ein 204 Seiten dickes Buch. Es enthält auch Kurzdarstellungen aller Teilnehmerinnen inklusive Kontaktdaten. Das, was sich zu neudeutsch Netzwerken nennt, beherrschen die Besucherinnen aus allen fünf Kontinenten perfekt.

Andere Gesprächskultur

Alina Avalos aus Mexiko etwa, Besitzerin eines Geschäftszentrums, sucht Partner, um ins internationale Geschäft einzutreten. Karin Maul, eine Deutsche, bietet die Vermittlung von Kontakten für Investmentes in Russland. All diese Angebote sind auch auf einer virtuellen Pinnwand des VdU im Internet vermerkt.

Bei Workshops, Busrundfahrten oder abendlichen Dinners gehen wildfremde Frauen aufeinander zu, finden die geeignete Sprache, fragen sich aus und tauschen Visitenkarten. Deswegen hat es Heide Meyer mit dem Einhalten des Programmes manchmal gar nicht so leicht.

„Bei uns gibt es eine andere Gesprächskultur“, sagt sie. „Bei gemischten Kongressen dominieren immer die Männer. Und die würden nie sagen, dass die Geschäfte mal schlecht gehen.“ Unter Frauen sei das anders. Die hätten kein Problem, auch über Krisen zu sprechen. „Dann kann man sich auch gegenseitig weiter helfen und beraten.“ 100 Mitglieder hat der Berliner Landes- und 1 600 der VdU-Bundesverband. Aufnahmebedingung ist ein Jahresumsatz von mindestens 250 000 Euro und die Beschäftigung von drei Mitarbeitern aufwärts, sagt Heide Meyer.

Frauen sind in der Wirtschaft eine Größe

Die Frauenquote sei für den Verband kein Thema mehr. „Wir sind dafür. Ohne funktioniert es ja nicht.“ Und was hält sie von den Umständen des Abgangs der ehemaligen Berliner Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz? „Sie hat bei der Messe-Berlin in ein Wespennest gestochen. Die Männer wollten das nicht. Das ist für mich eine ganz klare Sache.“

Ihren Betrieb, ein Dessousgeschäft in der Westfälischen Straße, hat Heide Meyer schon vor drei Jahren verkauft. Sie macht aber als Unternehmensberaterin weiter und freut sich, dass der Rat der Älteren auch bei den Jüngeren wieder gefragt sei. Das schlage sich auch in einem Mitgliederzuwachs von 20 Prozent nieder. Dass Frauen in der Wirtschaft zu einer relevanten Größe geworden sind, sieht wohl auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) so. „Die hält ja sonst nicht viel von Frauenthemen“, meint Heide Meyer. „Aber bei uns ist sie am Freitag zu Gast.“