Mitarbeiter des THW und der Feuerwehr sammeln Stroh aus der Havel, nachdem dort eine Fünf-Zentner-Bombe kontrolliert gesprengt wurde.
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PotsdamNach einer zeitlichen Verzögerung wurde eine Weltkriegsbombe in der Innenstadt von Potsdam kontrolliert und erfolgreich gesprengt. Hinweise auf Schäden lagen zunächst nicht vor. 

Für die Sprengung war im Vorfeld aus Sicherheitsgründen ein Sperrkreis errichtet worden. Allerdings hatten immer wieder Einzelne versucht in diesen einzudringen, berichtete die Stadtverwaltung am Freitagnachmittag. Am Nachmittag sorgte ein schweres Gewitter über Potsdam für weitere Verzögerungen.

An der Fundstelle der Fünf-Zentner-Bombe war vom Technischen Hilfswerk ein Floß mit Strohballen zusammengebaut worden. Dies sollte zur Dämmung der Detonation und als Schutz gegen Splitter dienen. Sprengmeister Mike Schwitzke hatte am Vormittag entschieden, dass der Blindgänger nicht entschärft werden kann, sondern am Fundort am Grund der Havel vor der Freundschaftsinsel gesprengt werden muss.

13.000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen

Die Räumung des Sperrkreises mit rund 800 Meter Radius um den Fundort war am Mittag noch nicht vollständig abgeschlossen. 13.000 Menschen in der Innenstadt und in einer nahen Hochhaussiedlung hatten am Morgen ihre Wohnungen verlassen müssen. Nicht alle wollten das. „Da musste mitunter die Polizei hinzukommen“, sagte Stadtsprecherin Christine Homann. In vier Fällen hätten Menschen am Morgen vergeblich versucht, in den Sperrkreis einzudringen.

Unter anderem wurden drei Seniorenheime, fünf Kitas, der Hauptbahnhof, mehrere Museen und die Staatskanzlei geräumt und zwei Brücken über die Havel gesperrt. Zahlreiche Helfer waren unterwegs, um bei der Evakuierung zu helfen und Orientierung zu geben.

Ein Boot liegt an der Stelle, an der die Bombe gefunden wurde. Von dieser Plattform können Taucher ins Wasser gelangen. Taucher hatten am Morgen damit begonnen, in die Havel zu steigen und einen Aluminiumring über die 250 Kilogramm schwere Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg zu senken.
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Taucher hatten am Morgen damit begonnen, in die Havel zu steigen und einen Aluminium-Ring über die 250 Kilogramm schwere Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg zu senken. Sie sollte damit freigelegt werden. Dadurch konnte der Kampfmittelbeseitigungsdienst entscheiden, ob der Blindgänger an Land entschärft oder im Fluss gesprengt werden sollte. Im Falle einer Sprengung sollte über der Fundstelle ein Strohfloß die Detonation abmildern.

Temporäre Sperrungen des Zugverkehrs

Bis circa 15.30 Uhr war der Zugverkehr aufgrund der Entschärfung der Fliegerbombe auf der Linie S7 zwischen Babelsberg und Potsdam Hauptbahnhof unterbrochen. Busse fuhren nicht in den Sperrkreis hinein, Trams fuhren ohne Halt durch ihn hindurch. Der Landtag blieb am Freitag eigenen Angaben nach geschlossen.

Seit 6 Uhr tagten nach Angaben der Stadt parallel der Lagestab der Verwaltung im Rathaus und der operative Lagestab der Feuerwehr in der Feuerwache Babelsberg. Zahlreiche Gebäude sollten geräumt werden, darunter Museen, mehrere Ministerien, die Staatskanzlei und fünf Kindertagesstätten. Der Autoverkehr sollte weiträumig umgeleitet werden.