Von etwa sieben Milliarden Menschen weltweit besitzen derzeit rund 2,6 Milliarden keinen Zugang zu vernünftigen Sanitäranlagen. Aus diesem Grund sterben jährlich Millionen Menschen durch einfache Erkrankungen wie Durchfall oder Cholera.

Um globale Aufmerksamkeit auf diese Sanitär-Krise zu lenken, wurde am 19. November 2001 beim ersten "Welttoilettengipfel" in Singapur der Welttoilettentag eingeführt. Am selben Tag wurde auch die „Welttoilettenorganisation“ (WTO) ins Leben gerufen. Diese setzt sich dafür ein, weltweit sanitäre Einrichtungen zu verbessern und Menschen darüber aufzuklären, wie wichtig saubere und sichere Sanitäranlagen für die Gesellschaft sind.

Trockentoiletten für Indien

Besonders Indien ist von der Sanitär-Krise betroffen: 640 Millionen Menschen besitzen dort keinen Zugang zu Toiletten. Die dort herrschende Wasserknappheit macht das Problem noch schlimmer. Der Verein "Non-Water Sanitation e.V." hat sich Indien zum Hauptziel gemacht und unterstützt durch Hilfs-Projekte den Aufbau eines Netzwerkes für Trockentoiletten. Besonders in indischen Slums sollen die Menschen in Zukunft nachhaltige Trockentoiletten-Systeme ermöglichen.

Wassertoilette vs. Trockentoilette

Eine herkömmliche Wassertoilette benötigt bis zu zehn Liter Wasser für eine Spülung. Dieses Wasser muss im Anschluss aufwändig durch Kläranlagen gesäubert werden, was auch durch die besten Klärreinigungsanlagen nicht zu 100 Prozent möglich ist. Die Folge: Phosphor und Stickstoff belasten die Gewässer.

Das hochwertig aufbereitete Abwasser wird danach wieder zu Trinkwasser umgewandelt und erneut zur Exkremententsorgung benutzt. Der Non-Water Sanitation e.V. bezeichnet dieses Verfahren als „ökologischen Unsinn“, der heute so praktiziert werde, da es an Fortschritten bei Hygienisierung der Trockentoiletten fehle.

Eine Trockentoilette funktioniert, wie der Name schon sagt, ganz ohne Wasser. Die Fäkalien werden in einem speziellen Behälter aufgefangen und können anschließend als Dünger genutzt werden. Ökologisch gesehen werden also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Trinkwasser wird nicht verschmutzt und es kann auf chemischen Dünger verzichtet werden.

Nachhaltige Kompost-Toiletten für Berlin und Brandenburg

„Ich habe gesehen, wie die Menschen dort ihr Geschäft neben Gleisen verrichtet haben“, erzählt Thomas Jakel von einer Zugfahrt durch Indien. Der Berliner ist Vorstandsvorsitzender des Non-Water Sanitation e.V. und hilft selbst beim Bau von Trockentoiletten.

Die Menschen in Indien seien begeistert vom Trockentoiletten-System, überraschenderweise aber nicht unbedingt aufgrund der Möglichkeit, eine Sanitäranlage nutzen zu können. Es begeistere sie eher, dass die Fäkalien als Dünger dienen können. Das sei wichtig für die Ernte, erklärt der 28-Jährige.

Die Projekte in Indien brachten Jakel auf die Idee, im Jahr 2013 gemeinsam mit Kevin Kuhn und Sven Riesbeck die Initiative „EcoToilette“ zu gründen. Hierbei geht es um umweltfreundliche, hölzerne und geruchsneutrale Alternativen zum „Dixi-Klo“, die vermietet und verkauft werden. Derzeit vorwiegend für Festivals und Events in Berlin und Brandenburg.

Die EcoToiletten wurden bisher unter anderem für das Umweltfestival auf der Straße des 17. Junis, für die Fête de la Musique am Oranienplatz, beim Karneval der Kulturen im Grünen Bereich und für die Malzwiese, dem Sommerfest der Berliner Malzfabrik, vermietet.

Holzspäne gegen unangenehmen Toiletten-Mief

EcoToiletten funktionieren nach dem Trockentoiletten-Prinzip. Das Besondere an diesen Toiletten-Kabinen ist allerdings nicht nur, dass sie umweltfreundlich sind, sondern innen auch noch angenehm nach Holz riechen. Nach dem Erledigen des Geschäftes werden Holzspäne auf die Exkremente gestreut, welche die Feuchtigkeit aufnehmen – so bleibt unangenehmer Toiletten-Mief aus.

Jakel weiß, wie wichtig den Menschen eine saubere sanitäre Anlage ist. Er selbst wollte auf ein Festival verzichten, da die Toiletten-Kabinen dort oft unerträglich sind. Ein Problem, das viele kennen.

Erfolg in Berlin und Brandenburg

In Berlin und Brandenburg kommen die nachhaltigen und sauberen EcoToiletten scheinbar gut an. 2013 konnte man die Toiletten auf etwa sechs Veranstaltungen vorfinden. Damals gehörten fünf Kabinen zum Repertoire der Initiative. 2014 waren es bereits 25 EcoToiletten, die für 40 bis 50 Events gemietet wurden.

Der Erfolg der EcoToiletten könnte auch daher kommen, dass sich die Gründer stark am Nutzer orientieren. „Der beste Designer ist der Kunde selbst“, sagt Jakel. Man lerne durch ihr Feedback. So wurde zum Beispiel ein kleiner Hocker für Kinder integriert, ebenso elektronisches Licht. Im Sommer 2015 soll es auch barrierefreie EcoToiletten geben.