Erich John erinnert sich noch genau daran, wie alles anfing. Im Treppenhaus der Kunsthochschule Weißensee lief er seinem berühmten Kollegen, dem Maler Walter Womacka, über den Weg. Es gebe einen Wettbewerb zur Neugestaltung des Alexanderplatzes, sagte Womacka da zu ihm. Ob sich John, damals Dozent für Formgestaltung, nicht bewerben wolle? Das war im Jahr 1968, und Erich John sagte zu. Erich John ist der Designer der Weltzeituhr. Heute ist er 86 Jahre alt. An diesem Mittwoch steht er auf dem Alexanderplatz und lächelt im Blitzlichtgewitter der Fotografen.

Es gibt etwas zu feiern. Im Herbst kommenden Jahres wird die Weltzeituhr 50 Jahre alt, und vorher will John die Vermarktungsrechte für die berühmte Uhr an ein Berliner Start-up übergeben. Dessen Geschäftsführer Carsten Kollmeier ist gekommen, um die Sache offiziell zu besiegeln. Er trägt einen schwarzen Kapuzenpullover mit einer weißen Weltzeituhr auf der Brust. Solche Kleidungsstücke, aber auch Tassen, Turnbeutel, Basecaps, Schlüsselanhänger und sogar Wodka mit Weltzeituhr-Emblem kann man ab sofort kaufen. Sein Unternehmen übernehme nun die Verantwortung für die einzigartige Designikone Weltzeituhr, sagt Carsten Kollmeier.

„Licht ist Zeit und Zeit ist Licht“

Für Erich John ist das Treffen ein Anlass, sich zurückzuerinnern. Nie habe er daran geglaubt, dass die Jury des Design-Wettbewerbs ausgerechnet seinen Entwurf auswählen würde, sagt er. „Meine Idee einer Weltzeituhr war eine Provokation, ein Gegenkonzept zum Mauerbau und ein Plädoyer für Weltoffenheit“, sagt John. Entsprechend überrascht sei er gewesen, als man ihm damals 3000 Mark überreichte und ihn beauftragte, die Uhr innerhalb von nur neun Monaten zu bauen. Sie sollte zur Eröffnung des neu gestalteten Alexanderplatzes und des Fernsehturms im September 1969 fertig sein, kurz vor dem 20. Jahrestag der DDR. Um das schaffen zu können, stellte John klare Forderungen – freier Materialeinkauf, 120 Facharbeiter. Die SED sicherte ihm alles zu. Am Ende verschlang der Bau der Uhr 480.000 Mark.

„Fast hätte ich sogar noch eine zweite Weltzeituhr gebaut“, erzählt John weiter. Diese andere Weltzeituhr hätte vor der Messe Leipzig stehen sollen – als Symbol des naturwissenschaftlichen und technischen Fortschritts in der DDR. Doch aus dem Projekt wurde nichts. Die Politik entschied sich dagegen. „Das Geld sollte stattdessen in den Wohnungsbau fließen“, sagt John. Im Rückblick sei das aus seiner Sicht die richtige Wahl gewesen. Es fällt schwer, John diese Aussage abzunehmen. Denn wenn es um die Weltzeituhr geht, gerät er noch immer ins Schwärmen. Nicht weniger als das Wesen der Zeit habe er mit seinem Design darstellen wollen – die Erdrotation, die Wanderung der Erde um die Sonne, die Entstehung der Jahreszeiten, die Reise des Lichts durch das Weltall. „Licht ist Zeit und Zeit ist Licht“, sagt John. Aber er wolle nicht zu philosophisch werden.