Modeläden leiden bekanntermaßen wie kaum ein anderer Einzelhandelsbereich unter Corona und den konkurrierenden Onlineshops. Nun muss die Fast-Fashion-Kette Orsay Konsequenzen ziehen. In den nächsten Wochen sollen 79 der insgesamt 197 Filialen in Deutschland geschlossen werden. In Berlin sind die Filialen in der Schlossstraße in Steglitz sowie im Moabiter Schultheiss-Quartier in der Turmstraße betroffen. Im April werden die Geschäfte dort schließen und die Orsay-Logos verschwinden.

Wie es in der Unternehmensführung heißt, seien die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informiert worden, wobei die Entscheidung die wenigsten überrascht haben dürfte. Obwohl Orsay eigenen Angaben zufolge bereits vor Corona etwa ein Fünftel seines Umsatzes online erwirtschaftete, konnten die Einbrüche im Ladengeschäft damit nicht kompensiert werden. Zunächst war ein Staatskredit über 33 Millionen Euro nötig, dann rettete sich das 1975 im Schwarzwald gegründete Unternehmen Ende November in ein Schutzschirmverfahren. Seitdem läuft die Sanierung.

Wenigstens 200 Jobs werden verloren gehen

Zuletzt standen Verhandlungen mit Vermietern über eine Anpassung der Lademieten im Mittelpunkt. Dabei habe es Erfolge gegeben, so ein Orsay-Sprecher, aber auch Misserfolge. Wo keine ausreichenden Mietsenkungen erreicht werde konnten, habe man sich für die Schließung der Filiale entscheiden müssen, „weil sie auch nach Beendigung der coronabedingten Einschränkungen keine Aussicht bieten, wieder wirtschaftlich betrieben werden zu können“. Und die Jobs?

„Wir sind sehr daran interessiert, dass möglichst viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Teil von Orsay bleiben“, sagt Orsay-Chef Sascha Bopp. Und tatsächlich hatte das Unternehmen  in den vergangenen  Monaten freie Stellen in den Stores nicht besetzt und für interne Besetzungen offengehalten. Allerdings: Würden sämtliche interne Stellenangebote angenommen, gingen durch die Sanierungsmaßnahmen noch immer etwa 200 Arbeitsplätze verloren.

Orsay ist als Filialist für Damenmode in insgesamt 34 Ländern vertreten und betreibt dort mehr als 700 Geschäfte. Von den mehr als 3500 Beschäftigten arbeitetet etwa jeder dritte in Deutschland. Eigentümer der Modekette ist die französischen Familie Mulliez, der unter anderem auch die Modekette Pimkie und der Sportgeräte- und Bekleidungshändler Decathlon gehört. Die Kette Pimkie hatte im vorigen Frühjahr ein Insolvenzverfahren beendet und die Zahl ihrer Filialen in Deutschland im vergangenen Jahr von 75 auf 40 reduziert.