Wenig Lärmschutz: Billiger landen trotz Lärmzuschlag in Tegel

Spät- und Nachtflüge am Flughafen Tegel werden deutlich teurer. Wie erst jetzt bekannt geworden ist, hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am 9. Oktober eine neue Entgeltordnung genehmigt, die Landungen zwischen 22 und 6 Uhr kostspieliger macht. Doch die neue Regelung, die von Januar 2014 an gilt, stößt auf Kritik. Denn Landungen am Tag werden in den meisten Fällen billiger, sagte der Reinickendorfer Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Martin Lambert (CDU).

„Wir wollen für die Entlastung des Standorts Tegel sorgen“, sagte Flughafensprecher Lars Wagner. „Wir haben einen angemessenen Ausgleich mit den Interessen der Anwohner erreicht“, so Daniela Augenstein, die Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). Nachtflüge werden in Tegel noch teurer als anfangs geplant.

Von Januar an wird zum Lärmzuschlag, der bei jeder Landung fällig wird, ab 22 Uhr eine Zulage von 50 Prozent kassiert – heute sind es 20. Eine Stunde später werden statt 100 künftig 150 Prozent fällig, ab 23.30 Uhr sind es 200 Prozent. Wer nach Mitternacht aufsetzt, zahlt statt 250 sogar 400 Prozent drauf.

„Das ist zu begrüßen“, lobte Lambert. Doch nach seinen Informationen fallen Postflüge nicht unter die Gebührenordnung. Dabei stellen sie einen Großteil des Nachtverkehrs in Tegel: Von Januar bis September gingen 354 der 1073 nächtlichen Flugbewegungen auf das Konto von Flugzeugen mit Post. „Unbefriedigend ist auch, dass für Starts keine Lärmzuschläge berechnet werden“, sagte Rolf-Roland Bley von der Bürgerinitiative gegen das Luftkreuz auf Stadtflughäfen. Auch wenn eine Maschine spätabends abhebt, werden sie nicht fällig.

„Nichts zu verschenken“

Senat und Flughafen bestätigten, dass die Lärmzuschläge, die den ganzen Tag über in Tegel zu zahlen sind, für Flugzeuge der Lärmklassen 1 bis 3 sinken. Derzeit werden zum Beispiel für die Airbusse A 318, A 319, A 320 und A 321-100 noch 105 Euro fällig – von Januar an sind es nach Informationen der Berliner Zeitung 92 Euro.

Für Flugzeuge wie die Canadair Jets müssen heute 84 Euro gezahlt werden – bald sind es 74 Euro. Dies soll Anreize geben, lärmarme Flugzeuge einzusetzen. Allerdings stellen Maschinen dieser Lärmklassen heute schon das Gros in Tegel, sagte Lambert. Unterm Strich werden 90 Prozent aller Landungen billiger. In den Lärmklassen 5 bis 7 steigen die Zuschläge zwar – aber derart laute Flugzeuge steuern Tegel nur selten an. Die Entlastung halte sich also in Grenzen.

„Anstelle dieser Entgeltordnung bräuchten wir dringend Anreize, in Schönefeld zu landen, sagte Andreas Otto (Grüne). Offenbar will die Flughafengesellschaft Airlines für das BER-Debakel entschädigen und ihnen einen Gefallen tun. „Dabei hat sie nichts zu verschenken.“