Gut gemeint, aber leider wirkungslos: So bewerten viele Experten die Mietpreisbremse. Das 2015 erlassene Gesetz könne Wucher-Mieten nicht stoppen. Falsch, sagen die Berliner Anwälte Dr. Frederik Gärtner und Dr. Daniel Halmer.

Das Problem sei, dass Betroffene ihr Recht nicht durchsetzen. Die Juristen wollen helfen, bieten Mietern mit dem Web-Portal www.wenigermiete.de einen neuartigen Beistand. Verbunden ist damit ein Bezahlmodell, das die Anwaltskosten niedrig hält.

Aber der Reihe nach: Das Duo prüfte Anfang des Jahres, ob für die Geschäftsidee überhaupt ein Bedarf besteht. Ja, ergab eine Umfrage, für die 1800 Nutzer ihrer neuen Website einen Fragebogen ausfüllten. In 77 Prozent der Fälle ergab sich ein möglicher Verstoß gegen die Mietpreisbremse. Der besteht, wenn die Miete nach einer Neuvermietung mehr als 10 Prozent über Mietspiegel liegt.

„Auf unserer Seite können Verbraucher die Mietpreisbremse aktivieren“, sagt Anwalt Halmer. Zunächst beantworten Nutzer einige Fragen rund um Lage und Ausstattung der Wohnung. Ein kostenloser Online-Rechner ermittelt, wie hoch die zu viel gezahlte Miete voraussichtlich ist.

Im zweiten Schritt versenden die Juristen - wenn der Mandant es möchte - ein „Rügeschreiben“ an den Vermieter. Es soll ihn verpflichten, ab sofort die Miete zu reduzieren und künftig zu viel gezahlte Miete zurückzugeben.

Das klingt fast zu einfach, um wahr zu sein. Aber Gärtner sagt: „Rein juristisch ist die Mietpreisbremse ein scharfes Schwert. In allen Fällen, die bisher vor Gericht landeten, bekamen die Mieter Recht.“ Viele hätten Angst vor der komplizierten Rechtslage, bürokratischen Verfahren und Streit mit dem Vermieter. Doch kein Vermieter dürfe kündigen, nur weil jemand die "Bremse" zieht.

Kosten nur im Erfolgsfall

Und die Kosten? „Unser Ziel ist es immer, eine außergerichtliche Einigung zu erreichen“, sagt Gärtner. Sollte ein Fall trotzdem vor Gericht landen, übernimmt die Kanzlei die Prozesskosten.

Aber wie verdienen die Anwälte dann Geld? Sie berechnen eine Service-Gebühr, wenn die Miete erfolgreich gesenkt wurde. Den Betrag stellen sie aber nicht direkt in Rechnung, sondern verrechnen ihn mit dem erkämpften Mieten-Nachlass. Er beträgt ein Drittel der erreichten Jahresersparnis.

Wenn dieses Modell Früchte trägt, könnte hier ein ganz neues Geschäftsfeld für Anwälte entstehen. Zum Vergleich: Es gibt bereits eine regelrechte „Anwaltsindustrie“, die sich für die Rechte von Fluggästen bei ausgefallenen Flügen einsetzt.