Es ist fast vier Wochen her, als über 30.000 Läufer beim 34. Berliner Halbmarathon auf die Strecke gingen. Start und Ziel: die Karl-Marx-Allee in Mitte. Was dabei wohl niemand ahnte – es dürfte dort die letzte Großveranstaltung dieser Art zwischen den DDR-Hochhäusern gewesen sein. Denn der Berliner Senat will die Karl-Marx-Allee ab dem kommenden Jahr umbauen. Platz für Sportler und andere Veranstaltungen gibt es dann nicht mehr.

Etwa 800 Meter lang ist der Abschnitt zwischen dem Alexanderplatz und dem Strausberger Platz, er ist Teil der Bundesstraße 1. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung will ihn für etwa acht bis zehn Millionen Euro umbauen. Je Fahrtrichtung soll es drei Spuren für Autos geben, derzeit sind es drei bis vier, wobei am Fahrbahnrand geparkt werden darf.

„Die Karl-Marx-Allee ist vom Verkehr stark belastet“, sagt Petra Rohland, Sprecherin von Bausenator Michael Müller (SPD). „Die Fahrbahn weist inzwischen viele Schäden auf und muss grundlegend erneuert werden.“ Auch an der Straßenbeleuchtung werde gearbeitet. Und um auch die Gehwege besser zu beleuchten, werden dort neue Lampen installiert.

Parkplätze fallen weg

Die gravierendste Änderung aber ist: Auf dem Mittelstreifen fallen Hunderte Parkplätze weg. Den bisher asphaltierten, zehn Meter breiten Mittelstreifen wollen die Planer mit Rasen begrünen. Bäume sollen aber keine gepflanzt werden, damit in dem denkmalgeschützten Bereich der Blick zum Strausberger Platz und umgekehrt zum Alexanderplatz nicht verstellt wird. Autofahrer könnten künftig nach Ansicht des Senats die nicht ausgelastete Tiefgarage am Hotel Park Inn nutzen. Zudem werden am Straßenrand etwa 200 neue Parkplätze eingerichtet.

Der Bezirk Mitte verfolgte lange Zeit jedoch eine andere Idee – er wollte, dass die Mittelpromenade zumindest im Bereich zwischen Kino International und Alex gepflastert wird, um dort Großveranstaltungen durchführen zu können. Die Karl-Marx-Allee war in den 60er-Jahren von der DDR mit einer Überbreite von 125 Metern als Parade- und Demonstrationsstrecke konzipiert worden. Dort fanden etwa Großdemonstrationen am 1. Mai sowie Militärparaden am 7. Oktober, dem Tag der Republik, statt.

Nach den Vorstellungen des Bezirks hätte sie sich durchaus als Ersatz geeignet, falls es auf der Festmeile am Brandenburger Tor zu Engpässen kommt. Überlegt wurde zum Beispiel, ob das Festzelt der Fashion Week auch auf der Karl-Marx-Allee stehen könnte, weil im angrenzenden Café Moskau ohnehin Shows und Partys stattfinden. Auch ein Verbleib des Halbmarathons wäre möglich.

Ohnehin hat Berlin alle zwei Jahre im Sommer zur Fußball-WM oder -EM Platz- und Terminprobleme mit seinen Großveranstaltungen. Auch in diesem Jahr wird das Areal am Brandenburger Tor mit der Fanmeile belegt sein. Deshalb ist bislang unklar, wie der Senat die Parade zum Christopher Street Day am 21. Juni und die Fanmeile unter einen Hut bringt. Auch ein Platz für die Fashion Week (8.–13. Juli) ist noch nicht gefunden.

Halbmarathon muss umziehen

Der Bezirk Mitte hat nun aber einen Rückzieher gemacht und verfolgt seine Überlegungen nicht mehr weiter – der Standort als Ausweichfläche für Großveranstaltungen werde aus Sicherheitsgründen aufgegeben, hieß es.

Abgeschlossen ist die Planung zur Gestaltung der Allee noch nicht. Ob zum Beispiel die Mittelpromenade begrünt oder gepflastert wird, soll demnächst öffentlich diskutiert werden. „Wir werden Bürgerversammlungen durchführen, um die Karl-Marx-Allee mit dem Votum der Anwohner umzugestalten“, sagt die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung, Petra Rohland.

Der Halbmarathon muss schon im kommenden Jahr umziehen. Denn in der Straße werden dann voraussichtlich die ersten Leitungen neu verlegt werden, nach bisheriger Planung soll 2016 der Straßenumbau starten. SCC Events, Ausrichter von Berlin-Marathon und Halbmarathon, stellt sich bereits auf die neue Situation ein. „Wir gehen davon aus, dass wir den Halbmarathon letztmalig in der Karl-Marx-Allee veranstaltet haben“, sagt SCC-Geschäftsführer Jürgen Lock. Er sucht schon nach einem neuen Ort.

Den Lauf am Brandenburger Tor zu starten, wie den Berlin-Marathon, das will er nicht. Man müsse den Sportlern Abwechslung bieten, sagt Lock. Und in der Tradition des Berliner Friedenslaufes – er fand im Ostteil statt und wurde nach dem Mauerfall mit dem Halbmarathon des SCC zum Berliner Halbmarathon zusammengelegt – wolle man bei der Auswahl der Strecke auch den östlichen Teil von Berlin beibehalten. Jeder Lauf habe seinen eigenen Charakter, sagt Lock. „Die Karl-Marx-Allee war als Startbereich immer Klasse.“