Berlin - Gute Nachrichten sind Mangelware im Corona-Jahr. Doch zumindest von Berlins Straßen gibt es eine positive Meldung: Die Zahl der Unfälle ist 2020 deutlich gesunken. Das zeigen aktuelle Zahlen der Polizei, die sich auf den Zeitraum bis Ende September beziehen. „Danach beträgt der Rückgang im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres 13,8 Prozent“, sagte Frank Schattling, der in der Landespolizeidirektion den Stab Verkehr leitet, der Berliner Zeitung. Die Zahl der leicht und schwer Verletzten sank um 11,9 Prozent. Dagegen nahm die Zahl der Menschen, die im Berliner Straßenverkehr getötet wurden, besorgniserregend zu. Seit Anfang Januar starben 48 Menschen, im gesamten vergangenen Jahr waren es 40.

Weniger Verkehr, weniger Zusammenstöße: Als der erste Lockdown im Frühjahr die Berliner Straßen leerfegte, nahm auch die Zahl der Unfälle ab - im April um die Hälfte. Obwohl sich die Werte seitdem wieder angenähert haben, hat Corona einen langjährigen Trend unterbrochen. Für 2020 verbucht die Berliner Polizei erstmals seit langem einen Rückgang der Unfallzahlen.

Keine Blitzersäule auf dem Kurfürstendamm

So wurden in diesem Jahr bis Ende September 93.831 Zusammenstöße registriert, im selben Zeitraum des vergangenen Jahres waren es 108.802. Ähnlich die Entwicklung bei der Verletztenzahl: In diesem Jahr trugen bis Ende September 10.240 Menschen leichte und 1625 starke Blessuren davon. Dagegen gab es im vergangenen Jahr während der ersten neun Monate 11.701 leicht und 1761 schwer Verletzte. 

Bei den Fahrradunfällen ist die Unfallbilanz für die ersten drei Quartale gemischt. Die Gesamtzahl ist um 19 auf 6224 leicht gesunken. Die Zahl der leicht verletzten Radfahrer stieg aber um 72 auf 3871, bei den schwer Verletzten gab es einen Anstieg um 13 auf 555. Unterm Strich ist das trotzdem kein Negativbefund. Denn insgesamt hat der Radverkehr in Berlin stärker zugenommen – um knapp ein Fünftel. Eindeutig negativ ist jedoch eine andere Zahl: In diesem Jahr sind bislang 17 Radfahrer bei Unfällen getötet worden, in sieben Fällen durch rechtsabbiegende Lkw. Im gesamten vergangenen Jahr waren sechs tote Radfahrer zu beklagen.

Außerdem starben in diesem Jahr bislang 18 Fußgänger, sechs weniger als 2019. Auch neun motorisierte Zweiradfahrer kamen ums Leben, sieben mehr als 2019.

Foto:  imago images/ Jürgen Ritter
Blitzersäule am Theodor-Heuss-Platz. 33 stationäre Tempomessgeräte gehören der Berliner Polizei, 23 sind derzeit in Betrieb.

Nicht angepasste Geschwindigkeit: Das ist und bleibt eine wesentliche Unfallursache. Wurden im vergangenen Jahr 362 Ermittlungsverfahren wegen verbotener Kraftfahrzeugrennen eingeleitet, werden wir „in diesem Jahr die 700er-Marke reißen“, sagte Schattling. Von Januar bis Ende November gab es 683 neue Verfahren. Der Paragraf 315d des Strafgesetzbuches betrifft übrigens nicht nur Raserwettbewerbe. Auch wenn sich einzelne Fahrer mit „nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos“ fortbewegen, etwa um vor der Polizei zu flüchten, drohen eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren. Dass es immer mehr Anzeigen gibt, hat auch damit zu tun, dass im Corona-Jahr Ladendiebstähle und andere Delikte zurückgegangen sind. Die Polizei konnte sich mehr um den Verkehr kümmern, hieß es.

Noch im Januar möchte die Berliner Polizei zwei weitere mobile Blitzer in Betrieb nehmen. Dann besitzt sie vier dieser Tempomessgeräte, deren gepanzerte Gehäuse wie Ein-Mann-Bunker aussehen. Die Zahl der stationären Blitzer werde 2021 aber nicht erhöht. Zwar werde das Personal in der Bußgeldstelle aufgestockt, hieß es, doch vorerst habe man dort noch nicht genug Mitarbeiter, um die zu erwartenden neuen Fälle bearbeiten zu können.

Derzeit gibt es im Berlin 33 stationäre Blitzer, von denen aber zehn außer Betrieb sind – zum Beispiel, weil die Stromversorgung wegen Baustellen unterbrochen ist oder ein Austausch durch moderne Technik ansteht. Bezirkspolitiker in Charlottenburg-Wilmersdorf wünschen sich eine Blitzersäule auf dem Kurfürstendamm. Doch dafür gibt es laut Schattling keinen Anlass: „Wir haben im Herbst bei jeweils 60.000 Fahrzeugen pro Richtung die Geschwindigkeit gemessen. Der Anteil der Tempoverstöße war geringer als sonst in Berlin.“