Wie in die Geschichte gesehen wird, was wir von ihren Zeugnissen aufheben, das sagt viel aus über unser aktuelles kollektives Selbstbewusstsein. So begründete vor fast genau 30 Jahren der Journalist, Verleger, Stadtspaziergänger Wolf Jobst Siedler in einem propagandistisch brillanten Essay, warum aus seiner Sicht der Nachbau des 1950 im Auftrag der SED zerstörten Berliner Schlosses nicht nur eine Option, sondern notwendig sei: „Das Schloss lag nicht in Berlin – Berlin war das Schloss.“ Der Satz wurde die Hauptkampfparole derjenigen, die 2001 den umstrittenen Nachbaubeschluss durchsetzten. Siedlers Satz schloss nämlich an tief verankerte Vorurteile an: Dass Berlin bis zum Bau der Hohenzollernburg 1452 nur ein zerstrittenes Nest gewesen sei, zu schwach, um sich dem Machtanspruch der neuen Fürsten zu widersetzen.

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