Wenn die BSR droht, die Mülltonnen nicht mehr zu leeren

Zu viele Autos stehen zu eng an der Straße, klagen die Müllmänner. Doch eine Lösung lehnt der Bezirk ab, klagt unser Autor.

Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR) im Schnee in Berlin-Pankow
Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR) im Schnee in Berlin-Pankowimago images/snapshot

In den vergangenen Tagen sorgte die Ankündigung von Umweltsenatorin Bettina Jarasch, dass Fahrräder bald kostenfrei auf gebührenpflichtigen Auto-Parkplätzen abgestellt werden dürfen, für einigen Trubel. Autofahrer bekamen Schnappatmung, Fahrrad-Lobbyisten kündigten an, reihenweise Parkplätze mit alten Drahteseln zu blockieren. So führen wir heutzutage Debatten, ist das nicht schön?

Was wäre die Folge, würden demnächst wirklich massenhaft Leute ihre Fahrräder auf Auto-Parkplätzen abstellen? Es würde wohl ein schon vorhandenes und von einer Lösung sehr weit entferntes Problem weiter zuspitzen: Finden sie keinen Parkplatz, neigen viele Autofahrer doch schon jetzt dazu, ihre Fahrzeuge kreuz und quer und nicht selten verkehrsgefährdend abzustellen, ohne dass sie dafür ernsthaft mit Konsequenzen rechnen müssten.

Als Fahrradfahrer und Fußgänger, seltener Öffi- und gelegentlicher Carsharing-Nutzer bin ich froh über jedes Auto, das ordnungsgemäß auf einem dafür ausgewiesenen Platz geparkt wird. Am Ende wird die Sache mit den Rädern auf Kfz-Plätzen eine Scheindebatte über einen angeblichen Beitrag zur Verkehrswende bleiben. Denn Radfahrer bevorzugen aus naheliegenden Gründen sowieso, ihre Räder irgendwo anzuschließen, statt sie in den leeren Raum zu stellen. Wie viel zielführender wäre es also, würden wir uns um die Verbesserung des Ist-Zustands kümmern?

Vor ein paar Wochen ging es an dieser Stelle um die Ankündigung einer Müllabfuhr, künftig die Tonnen nicht mehr zu leeren, solange sich die Parksituation vor dem Haus nicht ändert. Ein Innenstadt-Problem, denn vor dem Haus darf völlig rechtskonform geparkt werden. Die Hausverwaltung hat daraufhin das Aufstellen eines Transportüberwegs der BSR beantragt. Die sind nicht schön, aber wie lautet ein altes Architektur-Mantra: Die Form folgt der Funktion. Dort, wo diese Brücken aufgestellt werden, kann kein Auto die Zuwegung verstellen, Mülltonnen lassen sich ebenso praktisch darüber schieben wie Kinderwagen.

Antwort vom Straßenamt: „Ihren Antrag lehne ich ab“

Nun kam die Antwort vom Straßen- und Grünflächenamt der Bezirksamts: „Ihren Antrag lehne ich ab“, schreibt der Mitarbeiter an die Hausverwaltung. Eine „ausgiebige Prüfung der Ladestelle durch die BSR“ habe ergeben, dass dort keine Problematik vorläge. Mal sehen, was der nächste Müllmann, der sich weigert, eine Tonne durch zwei eng geparkte Autos zu ziehen, dazu meint. Die Transportbrücken scheinen ohnehin bald Geschichte zu sein. Das Antwortschreiben aus der Verwaltung schließt mit dem Hinweis, dass die temporären Genehmigungen der seit 2019 erprobten Überwege in absehbarer Zeit auslaufen – und die Brücken danach abgebaut werden.