Fernseher
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BerlinEs war, als hätte ein Fluch über meiner Wohnung und denen von Bekannten gelegen. Wir wohnen in unterschiedlichen Stadtbezirken. Wir arbeiten nicht zusammen, waren nicht gemeinsam in einer Klasse oder sind Mitglieder eines Vereins. Uns eint eigentlich nur, dass wir uns bei einem Fest vor einigen Jahren kennengelernt und nicht mehr aus den Augen verloren haben. Deshalb war es schon ungewöhnlich, dass wir alle zusammen kurz hintereinander vom Pech verfolgt worden sind und materiell Einbußen erleiden mussten. Nicht wegen irgendwelcher Krisen, sondern wegen versagter Technik zu Hause.

Vielleicht kennen Sie das. Sie wollen kochen, doch einige Zutaten sind nicht mehr zu gebrauchen, obwohl sie halbwegs frisch gekauft worden sind. Und das alles nur, weil ihr Kühlschrank über Nacht seinen Geist aufgegeben hat. Sie wollen gemütlich einen Film vom Sofa aus schauen, doch der Fernsehschirm flackert erst, dann wird er schwarz und bleibt es auch. Stattdessen entschließen Sie sich, Wäsche zu waschen. Anfangs geht alles gut, doch wenn die Trommel zum Schleudern rotieren soll, wird daraus nichts. Der Satz, dass Technik begeistert, will ihnen in solchen Momenten nicht einfallen. So ging es mir in den vergangenen Tagen. Ich war aber damit nicht allein. Wie gesagt, Bekannte auch. Während ich mich auf den Weg machte, um mein Technikpark zu erneuern, setzten andere auf das Wissen und Können von Handwerkern. Um es vorweg zu sagen, sie kamen nicht billiger davon.

Mittlerweile hat sich die Situation bei allen wieder beruhigt. Alles geht mehr oder weniger wieder. Die Sorge, bald wieder in die Situation zu gelangen ist noch allgegenwärtig.  Langsam legt sich aber  der Ärger über die Laufereien und die Telefonate. Sie waren mühsam, weil nicht jeder Servicemann von Service auch etwas versteht. So wurden nach der Lieferung eines Fernsehers der  Karton, in dem das Gerät geliefert worden war, im Hausflur stehen gelassen. In einem anderen Fall hatten die Lieferanten einer Waschmaschine bei einem der Bekannten den Liefertermin um einen Tag verwechselt. Sie erschienen später, als vereinbart. Als sie dann  auf den Kunden trafen und den Apparat anschließen wollten, merkten sie, dass der notwendige Wasserschlauch fehlte. Auch deshalb ist das immer noch Gesprächsstoff bei uns. Von anderen bekommt man Mitleid, vielleicht auch Schadenfreude, aber wenigstens hören die meisten zu, wenn man darüber spricht. Sie hoffen, dass ihnen das nicht auch widerfährt, sagen sie jedenfalls.

Eine Freundin reagierte sofort, als sie von dem Malheur gehört hatte. Sie schenkte mir eine asiatische Glückskatze, die sie bei uns im vietnamesischen Lebensmittelladen gekauft hatte. Das sind die Figuren, die einer Katze ähneln und ihre linke Pfote immer wieder in die Höhe heben. „Sie soll dir Glück bringen und Unheil von dir fernhalten“, sagte die Frau. Nach einem Tag des Katzenwinkens fiel bei mir in der Wohnung die Beleuchtung im Bad komplett aus. Nun warte ich auf den Elektriker. Er hat versprochen, sich schnell zu melden. Die Katze habe ich entsorgt.