Berlin - Die Dienstreise nach Bayern war schon lange geplant. Mitarbeiter aus der Personalstelle der Senatsbildungsverwaltung sollten im Land der Bayern auf Werbetour gehen, um dort nicht benötigte Junglehrer nach Berlin zu locken. Doch nun wurde die Dienstreise abgesagt, weil das bayrische Ministerium die Veranstaltungsorte überraschend verlegt hat.

Dabei wäre ein Personaltransfer in die preußischen Stammlande durchaus sinnvoll: Während in Bayern 600 frisch ausgebildete Lehrer nach ihrem Referendariat nicht übernommen werden, sucht die Berliner Verwaltung verzweifelt nach qualifizierten Lehrern. Wegen der vielen anstehenden Pensionierungen muss Berlin dieses Jahr rekordverdächtig viele Lehrer einstellen – 2500 Stellen seien zu besetzen, wie Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) betonte. Gut gebrauchen könnte Berlin da die beschäftigungslosen Junglehrer aus Bayern, dachte man in der Bildungsverwaltung. Mit dem bayerischen Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) vereinbarte Scheeres, dass Berliner Beamte zwei Informationsveranstaltungen zur Werbezwecken im Freistaate durchführen dürfen.

Streit mit Bayerns Ministerpräsidentem Seehofer

Eine Veranstaltung sollte am 13. März in der Nürnberger Peter-Henlein-Realschule stattfinden, die andere am 14. März in der Realschule II in München. Doch am Mittwoch ging eine E-Mail aus dem Münchner Kultusministerium in Berlin ein. Ohne Gründe zu nennen, hieß es darin, dass die Veranstaltungen in den Vororten Dachau und Zirndorf stattfinden müssten. Das war den Berlinern zu entlegen.

Kurios ist, dass dem ein dicker Streit zwischen dem bayerischen Ministerpräsidenten Hort Seehofer und Kultusminister Spaenle vorausgegangen war. Seehofer hatte sich über die seltsame Öffentlichkeitsarbeit seines Ministers geärgert, denn der hatte den Eindruck erweckt, als würde Bayern massiv Lehrerstellen abbauen.

Dabei finden doch am 16. März Kommunalwahlen statt. Da kann es die CSU auch nicht gebrauchen, wenn wenige Tage zuvor viele nicht benötigte bayerische Junglehrer an zentralen Orten zusammenkommen, um sich ausgerechnet vom ewigen Pisa-Versager Berlin abwerben zu lassen. Geschah die Verlegung also aus Kalkül, weil es nach Dachau oder Zirndorf wohl nicht so viele Junglehrer schaffen würden? „Wenn man in Bayern Angst vor unseren Informationsveranstaltungen hat, machen wir das eben in Berlin“, sagt jedenfalls Scheeres. Zehlendorf statt Zirndorf also.