Altlandsberg - Hagen Sens ist seit 30 Jahren Baggerfahrer und hat schon so einiges gefunden. „Der Boden unter unseren Füßen ist eine sehr spannende Angelegenheit“, sagt der 51-Jährige. Dann erzählt er, worauf er bereits gestoßen ist: uralte Vasen, über die sich allerdings nur Altertumsforscher so richtig freuen können, oder auf nicht explodierte Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg oder auch mal auf einen Toten. „Aber ein echter Schatz war noch nicht dabei“, sagt der Mann aus Nauen. „Jedenfalls bis vor ein paar Wochen. Ein Schatz zu finden, ist wie ein Sechser im Lotto.“

Der Tag, an dem er dann den bedeutendsten Münzschatz fand, der bislang jemals im Land Brandenburg ausgegraben wurde, war der 7. November. Gleich hinter der frisch sanierten Brauerei auf dem Gelände des ehemaligen Schlosses von Altlandsberg (Märkisch-Oderland) war er mit einem Kollegen dabei, den Platz so vorzubereiten, dass der danach gepflastert werden kann.

Hätte ihn auch behalten können

Die Archäologen, die bei der millionenteuren Sanierung des Schlossareals seit drei Jahren dabei sind und im Boden nach Zeugnissen der Vergangenheit suchen, hatten diesen Platz bereits untersucht und zum Beispiel eine alte hölzerne Wasserleitungen freigelegt. Niemand ging davon aus, dass sich zwischen den uralten Fundamenten noch etwas Wertvolles verbergen könnte.

„Ich war mit der Arbeit fertig“, sagt Sens. „Und haben zum Abschluss den Boden noch mal mit der Schaufel des Bagger glatt gezogen. Da sah ich etwas glänzen.“ Sens stieg aus und sah, dass ein aufgebrochener Tonkrug ein klein wenig aus dem Boden ragte und dass darin schmutzige alte Münzen lagen. „Ich rief meinen Kollegen“, sagt er. „Ich hätte auch ein Schwein sein können und den Schatz einstecken können. Hätte niemand gemerkt.“ Fachleute haben ihm gesagt, dass er 150.000 Euro für den Schatz auf dem Schwarzmarkt bekommen hätte. „Aber man will ja Gutes tun, und außerdem hätte doch irgendwann die Polizei vor der Tür gestanden.“

Silbergroschen und Goldgulden

Sens wird mehrfach gelobt bei der ersten öffentlichen Präsentation des Schatzes in der ebenfalls frisch sanierten Schlosskapelle. „Den Krug hätte man leicht übersehen können“, sagt Landesarchäologe Franz Schopper. Der Schatz sei von unschätzbarem Wert für Historiker. „Mit Münzen wird nachgewiesen, wer mit wem Handelsbeziehungen hatte.“ Hier sind nicht nur Tausende winzige, „Hohlpfennige“ dabei, die aus der Region stammen. Auch 13 Silbergroschen aus Prag und Meißen sowie 11 Rheinische Reichsgoldgulden. Der Wert war für die damalige Zeit gewaltig. Allein das Gold entspricht jener Summe, die das Kloster Altlandsberg im Mittelalter in zwei Jahren als Abgaben an den Landesherren leisten musste.

Schopper hat auch eine Theorie, warum der Schatz um 1430 vergraben wurde. „Es könnte mit den Hussiten zusammenhängen.“ Das war eine Armee, benannt nach dem Böhmischen Reformator Jan Hus, der 1415 von der Katholischen Kirche als Ketzer verbrannt wurde. Die Hussiten führten mehrere Feldzüge, bei ihrem größten zogen sie 1432 bis nach Danzig und kamen auch an Altlandsberg vorbei. Der Schatz wurde entweder vergraben, um die Münzen vor den Hussiten zu retten. „Oder es sollte ein Lösegeld sein, um die Stadt vor der Plünderung zu schützen.“ Klar ist nur, dass die Hussitten die Stadt niederbrannten.

Für Baggerfahrer Sens stimmt die Sache mit dem Sechser im Lotto nicht ganz. Denn der Schatz gehört nicht ihm, sondern wird im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg/Havel gezeigt. Einen offiziellen Finderlohn durften ihm weder die Archäologen noch die Stadt zahlen. Deshalb wurde eine kleine private Sammlung durchgeführt, so dass Sens und sein Kollege jeweils 150 Euro bekamen. Vor allem aber gehen sie in die Geschichtsbücher ein – als die Finder des größten Brandenburger Münzschatzes.