Radler, Jogger und Skater haben es längst für sich entdeckt. Seit Wochen schon rücken sie unerschrocken Bauzäune beiseite, um aufs neue Grün am Gleisdreieck in Kreuzberg zu gelangen. Noch müssen sie auf den neuen Betonwegen Radlader umkurven, die Erde, Geländer oder Holzbohlen transportieren. Und noch sind die etwas spärlich bewachsenen Wiesen vorsorglich mit rotweißem Flatterband umspannt. Doch am Freitag sollen alle Absperrungen fallen. Der Westpark am Gleisdreieck, wie die neue Grünfläche heißt, wird eröffnet – fast ein halbes Jahr eher als geplant.

Fast 150 Jahre lang, bis 1952, war das insgesamt 35 Hektar große Gelände ums Gleisdreieck, zwischen Landwehrkanal und Monumentenstraße, Bahnfläche. Im Osten befand sich der Anhalter Güterbahnhof. Dort wurde im Herbst 2011 der 17 Hektar große Ostpark eröffnet. Das riesige Areal hinterm Technikmuseum ist sozusagen der große Bruder des kleinen Westparks, der nur neun Hektar misst.

Der kleinere Park entstand, wo früher der Potsdamer Güterbahnhof war. Pläne des West-Berliner Senats, auf der alten Bahnfläche eine Autobahn zu bauen, scheiterten am Widerstand der Anwohner. „Auf der Fläche des Westparks war zuletzt die Logistik für die Baustelle am Potsdamer Platz“, sagt Leonard Grosch. Der 39-jährige Landschaftsarchitekt ist seit 2009 verantwortlich für die Parkgestaltung rund ums Gleisdreieck.

Einkehr bei Laubenpiepern

Von den Bauherren des Potsdamer und des Leipziger Platzes kommt auch das Geld für den Park – rund 18 Millionen Euro mussten sie für die Ausgleichsflächen bezahlen.

Leonard Grosch ist stolz auf beide Parks, die sehr unterschiedlich sind. Während der Ostteil in großzügige Ruhezonen, Spielplätze und Skaterbahnen aufgeteilt werden konnte, mussten die Planer im Westteil genau messen. „Er ist viel schmaler und nicht so ruhig wie nebenan“, sagt Grosch. Unablässig quietscht die U-Bahn über zwei Brücken. Mitten im Park krauchen Fernzüge aus einem Tunnel. Lärm verursachen auch Bagger an der Flottwellstraße, wo gleich neben dem Spielplatz mehrere Häuser mit teuren Wohnungen entstehen.

Im Westpark gibt es nun auch Flächen für BMX-Fahrer, sechs Trampoline und ein Hundeauslaufgebiet. Anders als vorgesehen bleiben ein gutes Dutzend Kleingärten erhalten. Sie sollten Sportplätzen weichen, doch die entstehen jetzt woanders. Parkbesucher können also durch die Laubenpieper-Anlage schlendern, im Café „Eule“ Rast machen oder selbst gemachte Marmelade kaufen. Das Schönste im Westpark aber ist das große Sonnendeck aus Lärchenholz, das über dem Bahntunnel entstand. Grosch: „Dort sitzen abends viele Leute und gucken Sonnenuntergang.“