Berlin - Man nimmt ein paar Bretter und zimmert sie zu einem Viereck zusammen, schüttet Mutterboden in den Kasten, steckt Samen in die Erde und wartet geduldig ab, bis die jungen Pflänzchen aus dem Boden sprießen. Das ist der Frühling in Berlin. Der kehrt nun dank der sonnigen Tage in dieser Woche mit aller Macht zurück. An vielen Bäumen sind die Knospen schon so dick, dass in Kürze das zarte Hellgrün die kahlen Äste überdecken wird.

15 kleine Beete

Der Holzkasten ist natürlich nur eine ziemlich simple und laienhaft beschriebene Variante, sich sein Hochbeet zu bauen. Viel professioneller macht das jetzt die Grüne Liga mit Anwohnern in einem Innenhof in Mitte. 15 Pflanzbeete wurden dort am Freitag im Hof der Wohnanlage Rosenthaler Straße, Ecke Gipsstraße gebaut. Es ist der Auftakt für einen stadtweiten Wettbewerb in den Berliner Kiezen, insbesondere ein Angebot für Anwohner, die sich engagieren, Mietergärten anzulegen und damit etwas für das grüne Berlin zu tun. „Urbane Paradiese – unsere grünen Stadträume“ heißt die Kampagne, die bis Ende September läuft.

Dabei sollen die Berliner kleine Brachen, Hinterhöfe, Dachflächen und vernachlässigte Grünanlagen entdecken und dort gemeinschaftlich gärtnern. Prominentestes Beispiel der vergangenen Jahre für diese Form des Kleingartenwesens sind die Prinzessinnengärten in Kreuzberg. Auch am Mauerpark in Wedding und vielen anderen Orten bestellen inzwischen Anwohner ihre Mini-Äcker. Sie begrünen zudem Flächen an Straßenbäumen – allerdings sind dazu Genehmigungen der jeweiligen Behörden erforderlich.

Die schreiten auch schon mal ein, wenn ihr das urbane Gärtnern und das Engagement der Anrainer auf öffentlichen Gehwegen zu weit geht, wenn zum Beispiel Baumscheiben eingezäunt werden (Unfallgefahr!) oder Bänke gezimmert werden.

Den Wettbewerb veranstaltet die Grüne Liga mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Wie Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) sagt, „wollen wir in den Höfen mehr Aufenthaltsqualität schaffen“. Das gemeinsame Gärtnern bringe die Menschen und verschiedene Altersgruppen zusammen. „Sie identifizieren sich mit ihrem Gebiet.“

Beete werden liebevoll gepflegt

Diese Erfahrung hat Baustadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) in Pankow gemacht. Er hat in der Oderberger Straße Verträge mit Anrainern für Hochbeete und Baumscheiben geschlossen. „Viele Beete werden liebevoll gepflegt.“ So würden die Menschen ein Stück Heimat entdecken. Er vermisse in Pankow aber das Engagement des städtischen Wohnungsbaugesellschaft.

Das ist in Mitte anders. Dort hat die WBM 150 Wohnungen an der Rosenthaler- und Gipsstraße modernisiert, jetzt wird der Innenhof gestaltet, ein Teil ist für den Mietergarten reserviert. Bisher haben sich Firmen um das Grün gekümmert. „Aber das reicht uns auf Dauer nicht. Die Mieter sollen eine weitergehende Bindung eingehen und sich ihre Oasen schaffen“, sagt Geschäftsführer Lars Ernst.

Günter Sölken ist einer der Mieter, die sich nun ihr Hochbeet bauen und gärtnern. „Den Platz haben wir uns selbst ausgesucht“, sagt er. Material und Geräte kommen von der WBM. Die Grüne Liga hat in zwei Workshops erklärt, wie man die Beete gestalten kann und pflegt. Was wird nun gesät? „Salate und Gemüse. Ich will eine ganze Menge ausprobieren.“