Cottbus - Erst ist es eine Tasse. Dann eine Kanne, dann ein großes Bild von der Wand. Schließlich schnappt sich Max-Fabian Wolff-Jürgens im Besprechungsraum des FC Energie Cottbus eine herumstehende Kristallvase und balanciert sie minutenlang auf seinem Kinn. Alles zum warm werden, wie er sagt. Als er es dann auf die Kamera eines Fernsehteams abgesehen hat, das nebenan in der Sporthalle das Training der Fußballer des Zweitligisten filmen will, wird das 17-jährige Balancier-Talent aus Kyritz (Prignitz) in seinem Eifer gestoppt. Da hilft auch kein Beteuern, dass bei ihm wirklich noch nie etwas zu Bruch gegangen sei.

Max-Fabian ist nicht zufällig in Cottbus. Der hoch aufgeschossene, schmale Jugendliche trainiert hier mit zwei Profispielern ein letztes Mal für den Auftritt in der ZDF-Show „Wetten, dass...?“ an diesem Sonnabend. Es geht, nur soviel darf verraten werden, um einen Balanceakt und um Fußball.

Auftritt vor neun Millionen Zuschauern

Schon einmal war der Schüler in der Wettshow. Da moderierte noch Thomas Gottschalk, und Max-Fabian ließ von Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr 15 Getränkekisten auf sein Kinn stapeln, mehr ging nicht wegen der Höhe der Halle. Bei 28 Kisten liegt sein Rekord. „Kisten-Max“ wird er deshalb genannt.

Neun Millionen Zuschauer sahen im März 2011 seinen ersten Auftritt. „Es ist unglaublich, wie viel man in so einer Liveshow rüberbringen kann, wie sehr man beachtet wird“, erklärt Max-Fabian. Denn nach seiner ersten Wette hatte er bei Gottschalk den Wunsch in die Kamera gesprochen, der amerikanische Botschafter in Deutschland, Philipp Murphy, möge sich bei ihm melden. Max-Fabians Schwester hatte damals kein Einreisevisum für die USA bekommen. Murphy meldete sich wenig später wirklich bei dem Schüler. Die Sache mit dem Visum konnte geklärt werden.

Kreative Ideen sind gefragt

Max-Fabian hat nicht lange überlegen müssen, was er nach seinem Auftritt beim ZDF macht. Er gründete die Initiative „Jung gegen Rechts“, die man unter diesem Namen auch im Internet findet. Zusammen mit seinem Freund Jamal setzt er seitdem seine Bekanntheit gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit ein. „Ich mache das mit meinem Talent, ich balanciere gegen Neonazi.“

Regelmäßig sind die beiden Freunde bei Demonstrationen gegen Neonazi-Aufmärsche oder bei Veranstaltungen wie „Rock gegen Rechts“ dabei, dort balanciert Max-Fabian lange Maste, an denen Fahnen hängen etwa mit der Aufschrift „Wir zeigen Flagge“. Zur Fußball-EM fuhren sie nach Polen, diskutierten mit anderen Jugendlichen und besuchten Gedenkstätten des Nazi-Terrors in Krakau und Auschwitz.

Max-Fabian weiß, dass er mit Diskussionsveranstaltungen oder Aufrufen zu Demos keine Jugendlichen mehr hinterm Ofen vorlocken kann. „Da braucht man Ideen, Flashmobs gegen Rechts etwa. Das ist angesagt, da sagen sich vielleicht ein paar junge Leute, das ist cool, da gehe ich hin“, sagt Max-Fabian.

Als er sieben Jahre alt war, zog seine Familie aus Schleswig-Holstein in die USA. Dort begann er, Gegenstände auf seinem Kinn zu balancieren. „Eigentlich alles, was herumstand“, erzählt der Schüler. Als er als Nazi beschimpft wurde, weil er Deutscher war, begann er, sich intensiv mit der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen.

Drohungen auf Facebook

2009 kehrte die Familie nach Deutschland zurück, zog in die Prignitz. „Da wurde mir zum ersten Mal klar, wie wichtig das Thema Rechtsextremismus ist“, sagt Max-Fabian. Er hörte Witze über Ausländer, die er nicht witzig fand. Der Vater seines besten Freundes Jamal war Jordanier. Für ihn und Jamal stand schnell fest, dagegen etwas unternehmen zu müssen. „Wir haben sie immer in ihrem Engagement gegen Rechts unterstützt“, sagt Max-Fabians Vater, Tillmann-Matthias Jürgens. Auch wenn es schon Drohungen gab auf Facebook.

Für sein Engagement hat die Initiative schon einige Auszeichnungen erhalten, den Berliner Medienpreis „Media-Max“ etwa. Und der SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier lud die Gymnasiasten ein, ihre Initiative in der Arbeitsgruppe Strategien gegen Rechtsextremismus vorzustellen.

Max-Fabian hofft, dass am Sonnabend wieder Millionen Menschen vor dem Fernseher sitzen. Der Gymnasiast will nicht nur zeigen, dass er ein Balancekünstler ist, er will die Liveshow auch nutzen – als Plattform für „Jung gegen Rechts“.