Sonnenuntergang hinter der Siegessäule.
Foro: dpa/Paul Zinken

BerlinWas Meteorologen meinen, wenn sie von Temperatursturz sprechen, dafür wird man an diesem Montag im Wortsinn ein Gefühl bekommen. Denn während die Quecksilbersäule in Berlin am Wochenende noch bei 25 Grad Celsius stand, so wird sie es an diesem Montag nur mit etwas Glück auf die Zehn-Grad-Marke schaffen. Damit ist der Mai auf dem besten Weg, jene Wetterunbeständigkeit zu erreichen, mit der sich der April einen Namen gemacht hat. Aber auch der April ist nicht mehr das, was ein April einmal war.

In diesem Jahr reihten sich Hochdruckgebiete fast bis Monatsende aneinander. Rund 300 Stunden lang zeigte sich die Sonne im April am Hauptstadthimmel. Das waren über 100 Sonnenstunden mehr als das durch einen langjährigen Mittelwert bestimmte Soll. Beim Regen fiel die Monatsbilanz dürftig aus: Mit 22,7 Litern pro Quadratmeter erreichte der April nur zwei Drittel seines Solls von 33 Litern pro Quadratmeter und war damit sehr trocken.

Über Brandenburg schien 295 Stunden lang die Sonne, also fast doppelt so lange wie im langjährigen Mittel. Die Durchschnittstemperatur wurde mit 10,2 Grad deutlich höher als das langjährige Mittel von 7,8 Grad gemessen. Mit weniger als zehn Litern pro Quadratmeter (langjähriges Mittel: 41 Liter) lag Brandenburg bei den Niederschlägen an vorletzter Stelle der Bundesländer.

Bundesweit war der April nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wohl der sonnigste April seit Aufzeichnungsbeginn im Jahr 1951 und der dritttrockenste. Damit war der Monat im zwölften Jahr in Folge zu trocken. Trockener waren nur der April 1893 mit 3,7 Litern Niederschlag pro Quadratmeter und 2007 mit vier Litern pro Quadratmeter.

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn vom DWD: „Grund für das wechselhafte Wetter im April ist die Umstellung der atmosphärischen Zirkulation vom winterlichen, meist zonal geprägten und durch Westwetterlagen gekennzeichneten Regime zum eher meridional dominierten Zirkulationsschema des Sommerhalbjahres. Im klimatologischen Mittel sind dabei länger andauernde Hochdrucklagen selten, und es ringen mal polare, mal subtropische Luftmassen um die Vorherrschaft in Mitteleuropa. So kommt es auch, dass wir einerseits bei entsprechenden Wetterlagen oftmals frühsommerliche Tage beobachten können. Andererseits kann auf der Rückseite von Tiefausläufern hochreichende und labil geschichtete Kaltluft für wechselhaftes Schauerwetter sorgen.“

Vor Ostern herrschte trockenes, sonniges und – mit Ausnahme des hohen Nordens – auch sehr mildes Frühlingswetter. Der 12. April, Ostersonntag, bescherte einen fast schon frühsommerlichen Tag und mit 24 Grad zugleich   den wärmsten im Monat. Kernn: „In der Nacht zum Ostermontag jedoch führte ein Tiefdruckgebiet über Skandinavien wieder Luft polaren Ursprungs herbei.“ Dabei ging die Temperatur deutlich zurück. Am 14. April lag der Höchstwert nur noch bei 11 Grad, er war damit der kälteste Tag des Monats.

Auf zum nächsten Hoch! Das kam ab 20. April (15,1 Grad) namens „Odilo“ und schwang sich acht Tage lang mit heiterem Wetter bis zu 22,7 Grad am 24. April auf. Dann war Schluss mit dem gefühlten Sommer – „Walli“, ein Tiefausläufer, erreichte Deutschland. Allerdings war die Luft so trocken, dass es nur hohe oder mittelhohe Wolken gab und keinen Niederschlag. Der setzte dann in den letzten drei Tagen des Aprils ein. Das aber reichte nicht für die Pflanzen.

Dass Regen fehlt, hat Auswirkungen auf den Garten. „Normalerweise muss man im Frühling nicht gießen, weil der Boden noch ausreichend Feuchtigkeit aus dem Winter hat“, sagt Isabelle Van Groeningen. Sie ist Dozentin an der Königlichen Gartenakademie in Berlin-Dahlem. In diesem Jahr ist das anders: Selbst große Bäume können sich nicht mehr versorgen. Die Expertin rät, alle paar Tage bis einmal pro Woche die Bäume im Garten ausgiebig zu gießen. Auch im Beet sollte man das eingewachsene Grün besser intensiv und seltener statt oberflächlich und täglich gießen. „Man gießt mit dem Schlauch so lange, bis das Wasser wegläuft. Dann geht man weiter und kehrt nach drei, vier Pflanzen wieder zurück zur ersten Pflanzen und gießt sie erneut“, rät Van Groenigen. So hat der Boden die Chance, das Wasser zu den Wurzeln zu leiten. Oft fühle es sich so an, als müsste es längst reichen. Aber erst, wenn man die Erde ein wenig ankratze, merke man, wie wenig Wasser angekommen sei, sagt sie. (mit dpa)