Wir waren alle ziemlich dumm und hätten es besser wissen können: Wir hatten das Unheil die ganze Zeit vor Augen. Aber wir haben alle nicht rechtzeitig reagiert.

Wir alle, das waren immerhin fast 9000 Leute. Vor allem Eltern mit Kindern, die sich an einem fast sommerlichen Tag aufgemacht hatten, um etwas zu erleben. Wir waren in Karls Erlebnisdorf vor den westlichen Toren Berlins. Dort war unten auf der Erde so viel los, dass wir keine Muße hatten, in den Himmel zu schauen und das nahende Unwetter zu sehen.

Der Tag hatte gut angefangen. Mit Sonne und schönen weißen Wolken. Mit Wärme und Vorfreude. Aber derzeit ist nie klar, ob noch Frühling ist oder doch schon Sommer. Am Himmel türmten sich Wolken auf, aber auch die Sonne schien. Außerdem zeigte die Wetter-App nur eine Regenwahrscheinlichkeit von zehn Prozent – und die meisten Leute glauben inzwischen eher den Versprechungen ihrer Handys als den eigenen Augen.

Und so wälzten sich die Menschenmassen durch den Erlebnispark ohne Blick nach oben. Wir waren der lebende Beweis dafür, dass Einstein recht hatte, wenn er sagt: „Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit, aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

Die allermeisten schauten tatsächlich erst erstaunt zum Himmel, als sie am Boden die ersten dicken Regentropfen sahen. Bis daraus ein Wolkenbruch wurde, blieben noch zwei Minuten.

Es gibt zwei Möglichkeiten: unterstellen oder rennen. Wir rannten, weil wir das kommende Nass schon drei Minuten früher gesehen hatten. Wir hatten einen kleinen Vorsprung und schlängelten uns durch die Massen. Doch auf dem Weg zum Parkplatz wurden wir geduscht.

Als wir im Auto saßen, zeigte sich, dass dieses unstete Wetter auch seine Vorteile hat: Wir hatten noch Jacken im Auto. Also zogen wir die durchweichten T-Shirts aus und die Jacken an.

Auf der Rückfahrt war unser Erstaunen groß, dann ein solch heftiger Regen nach fünf Kilometern schon wieder zu Ende war. Und bei der Fahrt durch Berlin waren manche Straßen nass, andere nicht. Am Großen Stern und am Alex sah es aus, als hätte es nicht geregnet. Aber ringsum doch.

Und tatsächlich: Hinterher zeigte sich, dass die Regenverteilung höchst unterschiedlich war: In Karow waren 18,6 Liter pro Quadratmeter gefallen, in Friedrichshagen nur 2,8 Liter.

Daran zeigt sich mal wieder, wie groß Berlin ist, obwohl es doch nur ein Stadtstaat ist. Von der Glienicker Brücke zwischen Berlin und Potsdam sind es bis zum Nordzipfel von Buch 39 Kilometer Luftlinie. Das ist weiter, als das Flächenland Sachsen an seiner schmalsten Stelle hat. Dort sind es gerade mal 36 Kilometer.