Berlin - Das Wetter spielt verrückt. Ein drastischer Temperaturunterschied um die 30 Grad Celsius zur Vorwoche erwartet die Hauptstadt. Noch vor Tagen herrschte in Berlin Polarkälte. Temperaturen bis zu minus 16,7 Grad Celsius wurden nachts – etwa in Tegel – gemessen.  Nun bescheren uns warme Luftmassen ein vorerst rasches Winterende. Laut Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) werden am Sonntag sogar frühlingshafte 15 Grad in der Hauptstadtregion erwartet. Ungewöhnlicher kann ein Wetterumschwung im offiziell noch herrschenden Winter nicht sein.

„Der rasante Wechsel ist schon bemerkenswert“, sagt DWD-Meteorologe Thomas Endrulat. Bisher hatten polare Luftmassen eines Hochdruckgebietes aus Skandinavien und Russland kommend Berlin und Brandenburg fest im Griff. Vor allem die nach Schneefällen aufreißende Wolkendecke sorgte für sehr kühle Nächte. Im brandenburgischen Doberlug-Kirchhain sank vor einer Woche die Temperatur sogar auf minus 20,2 Grad Celsius. „Mit einer Wolkendecke ist es genauso wie mit einer Bettdecke: Sie sorgt für Wärme. Ist sie weg, kühlt sich die Erde schneller ab“, sagt Endrulat.

Nun, wo die Tage länger werden, die Sonne mehr durchkommt, wendet sich das Blatt. Wie schnell die Temperatur ansteigen kann, zeigte der Montag. An dem Tag wurden noch minus 13 Grad gemessen. Kaum stellte sich der kräftige Sonnenschein am Vormittag ein, stiegen die Temperaturen schon bis auf ein Grad über null. Seit Dienstag herrschen in Berlin  Plusgrade.

Subtropische Luft bringt den vorzeitigen Frühling

Von Donnerstag an wird der Umschwung extremer. Temperaturen zwischen 9 bis 12 Grad werden für Berlin vorhergesagt. „Am Sonntag erwarten wir dank eines sehr sonnigen Tages sogar Werte um die 15 Grad Celsius“, sagt Stefan Rubach vom DWD-Vorhersagedienst. „So wie es aussieht, werden die milden Temperaturen bis etwa Mitte kommender Woche so bleiben.“ Allerdings ist es nicht auszuschließen, dass sich dann auch noch einmal der Winter zeigt.

Der Grund für die drastische Wetterwende ist ein extremer Strömungswechsel, der gerade passiert, sagt Meteorologe Endrulat. Südliche und südwestliche Strömungen eines Atlantiktiefdruckgebietes schieben fast subtropische Luftmassen über Spanien und Frankreich nach Berlin.

Dass nach harten Wintertagen sich nun ein Hauch von Frühling einstellt, habe nichts mit dem Klimawandel zu tun. „Es liegt an der zentralen Lage der Hauptstadtregion“, sagt Endrulat. „Aufgrund der geografischen Lage sind für Berlin kalte Luftmassen von der Nordsee oder Russland genauso schnell erreichbar wie die sehr warmen vom Mittelmeer oder Atlantik“, sagt der Meteorologe. „Der Februar ist ein typischer Übergangsmonat, Temperaturschwankungen innerhalb von Tagen sind keine Seltenheit.“ Allerdings sei ein Unterschied von 30 Grad schon ein Phänomen.

Der Vorgeschmack auf den Frühling könnte uns auch schon die ersten Krokusse oder Schneeglöckchen zum Blühen bringen. Sollte es wieder kalt werden, sei dies kein Problem. „Auf solche Wechsel ist unsere Pflanzenwelt eingestellt“, sagt Nabu-Experte Ansgar Polloczek.