Schneeballschlacht und Schlittenfahrt – auf richtigen Winter warten die Berliner bisher umsonst. Mancher wird ganz sicher froh darüber sein, denn die S-Bahn fährt auch ohne „Schneechaos“ viel zu oft unregelmäßig. Aber auffällig ist, dass das Wetter des zurückliegenden Monats eher an einen etwas schmuddeligen Herbst erinnerte als an Winter. 

Generell war Berlin im zurückliegenden Jahr mit einer Durchschnittstemperatur von 10,4 Grad Celsius das wärmste aller Bundesländer gewesen. Die Sonne schien aber mit 1 590 Stunden kürzer als sonst – in den vergangenen Jahren hatte es in Berlin durchschnittlich 1635 Sonnenstunden gegeben

Dezember erinnert eher an Herbst als an Winter

„Der Dezember 2017 reiht sich in die zu warmen Monate der vergangenen Jahre ein“, sagt Stefan Zender, Meteorologe beim Wetterkontor. Mit durchschnittlich 3,9 Grad habe er um 2,3 Grad über dem langjährigen Mittel der Jahre 1981 bis 2010 gelegen. Der Silvestertag war sogar besonders warm.

Die höchste Temperatur wurde mit 12,5 Grad Celsius am Flughafen Tegel gemessen. Allerdings blieb es über weite Teile des Monats trüb und bewölkt. Mit 34,2 Sonnenscheinstunden lag Berlin deutlich unter dem langjährigen Monatsmittel von 40 Stunden.

Insgesamt gab es drei milde Phasen, sagt Stefan Zender. Die erste lag um den 6. und 7. Dezember herum. Auch die Weihnachtstage waren warm, besonders der Heiligabend mit dem Spitzenwert von 10,4 Grad. Das neue Jahr begann ebenfalls mild. „Bis Ostern und zu den Eisheiligen kann es noch Frost geben“, so Zender. Allerdings erinnere das momentane  Wetter „eher an Herbst als an Winter“. 

Der erste Sturm des Jahres

Der Grund dafür ist eine Großwetterlage, die als Südwestströmung bezeichnet wird. Wärmere und feuchtere Luft strömt vom Atlantik nach Mitteleuropa. Erst wenn diese Strömung nachlässt, kann sich die Kälte aus dem Osten durchsetzen.

Der Januar hat bereits den ersten Sturm des Jahres 2018 gebracht. Das Sturmtief „Burglind“  traf am Mittwochmorgen den Westen Deutschlands. Es entwurzelte Bäume, überschwemmte Straßen und unterbrach Bahnlinien. Ein Ausläufer zog in Richtung Berlin weiter, war hier aber nur sehr abgeschwächt spürbar. In Neukölln sorgte ein umgestürzter Baum für einen Feuerwehreinsatz.

Zu Jahresbeginn setzt sich somit ein Trend fort, der das vergangene Jahr prägte: zu warm, unbeständig, mit heftigen Wetterextremen. Nach Aussagen des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach lag die Jahresdurchschnittstemperatur mit 9,6 Grad Celsius um 1,4 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel von 1961 bis 1990. Begonnen hatte das Jahr zwar recht kalt.

Schwere Zeit für Biergartenbetreiber

Der März war dann aber bundesweit der wärmste seit dem Messbeginn 1881. Im April folgte ein Kälteeinbruch, mit negativen Folgen für die Natur. Den Brandenburger Obstbauern entstanden Schäden in Millionenhöhe.

Ende Mai gab es die erste Hitzewelle. Der Sommer war im Süden sehr heiß, im Norden kühler. Juli und August in Berlin waren so gut wie verregnet. Insgesamt lag die Niederschlagsmenge des Jahres bundesweit mit 850 Litern pro Quadratmetern um acht Prozent über dem langjährigen Mittel.

Berliner Biergartenbetreiber beklagten, dass ihnen an vielen Tagen die Gäste wegblieben. Im September begann dann nahezu ohne Übergang der Herbst. Der Oktober gehörte wiederum zu den wärmsten seit 1881. Ab November regnete es erneut häufiger – 53 Prozent mehr als im Schnitt üblich. 

Ist Berlin dem Klimawandel gewappnet? 

Besonders heftig trafen in diesem Jahr einige einige Starkregenfälle und Sturmtiefs die Stadt. So überflutete ein stundenlanger heftiger Regen am 29. Juni unzählige Straßen und Keller. Sturmtief „Xavier“ forderte dann am 5. Oktober in Berlin-Brandenburg fünf Todesopfer. Der Bahn- und Busverkehr in Berlin wurde lahmgelegt. Im gleichen Monat folgte der Sturm „Herwart“.

Das Jahr brachte intensive Debatten darüber, ob Berlin den Folgen des Klimwandels mit immer heftigeren Stürmen und Starkregenfällen gewappnet ist. Das neue Jahr wird zeigen, in welchem Ausmaß sich dieser Trend in unserer Region fortsetzt.