Eigentlich gibt es kaum eine Statistik, die es nicht gibt. Ob Milchkonsum, Glücksspiel als Straftat oder Übernachtungen auf Campingplätzen – immer findet sich jemand, der Zahlen zusammenträgt und veröffentlicht. Wen wundert’s da, dass sich auch jemand um Blitze kümmert. In diesem Fall ist es ein Siemens-Messnetz in ganz Europa, das Daten zu Blitzen und -einschlägen erfasst und jährlich im Blitz-Atlas veröffentlicht.

Ganze 623.000 Mal, so gab Siemens am Mittwoch bekannt, sind vergangenes Jahr Blitze in Deutschland eingeschlagen. Spitzenreiter nach Einschlägen pro Quadratkilometer war demnach die Stadt Cottbus. Dort wurden vergangenes Jahr 8,4 Blitzschläge pro Quadratkilometer gemessen.

Die wenigsten Blitze, die Kontakt mit dem Erdboden oder Gebäuden hatten, gingen im ostfriesischen Aurich nieder und im niederbayerischen Passau. Dort waren es jeweils 0,23 Einschläge pro Quadratkilometer. In Berlin, das sei der Vollständigkeit halber hinzugefügt, waren es 1,8 Einschläge pro Quadratkilometer. Macht in Berlin bei einer Fläche von 892 Quadratkilometern immerhin 1 605 Einschläge im Jahr – oder 4,4 pro Tag.

Wie bei manch anderer Statistik mag man sich nun fragen, wozu diese Daten eigentlich erhoben werden. Ganz einfach: Die Angaben sind wichtig für Energieversorger und Wetterdienste, aber auch für Versicherungen und Telekommunikationsunternehmen. Wenn technische Geräte kaputtgehen, kann so geklärt werden, ob ein Blitzschlag daran schuld war oder etwas anderes.

623.000 Blitzeinschläge nicht ungewöhnlich

Dass sich ausgerechnet Siemens um Blitze kümmert, ist übrigens schnell erklärt. Nur auf den ersten Blick ist der Blitz eine Wettererscheinung. Seinem Wesen nach ist der Blitz ein Strom-Ereignis – und damit etwas rein Elektrisches.

Ein Jahr mit 623.000 Blitzeinschlägen ist nichts Ungewöhnliches, sagt Stephan Thern, Projektleiter des Blitz-Informationsdienstes. Spitzenreiter des vergangenen Jahrzehnts war das Jahr 2007 mit mehr als einer Million Einschlägen, Schlusslicht 2013 mit nicht mal 400.000 Blitzeinschlägen.

Das Jahr 2015, erst zu zwei Dritteln vorbei, hat das vergangene Jahr bereits überflügelt. „Wir haben jetzt schon so viele Einschläge wie 2014 in Summe“, sagt Thern. „Vermutlich läuft es auf rund 700 000 Einschläge hinaus.“ Und auf noch eine Statistik mehr.