Bereits im Jahr 2002 füllte der ehemalige Berliner Arzt Torsten Römer in Schlepzig im Spreewald den ersten ostdeutschen Single Malt ab. Kenner zählen seinen „Sloupisti“ zu den besten Tropfen weltweit. Nun versucht sich Cornelia Bohn mit ihrer „Preußischen Whiskydestillerie“ in dieser Handwerkskunst. Die Uckermärkerin erzählt, wie ihr neuer Whisky schmeckt, wie es dazu kam, dass sie eine Schnapsbrennerin wurde, und ob sie von dem Luxus-Getränk leben kann.

Frau Bohn, es ist Mittwoch, der 12.12. 2012. Soeben um 12.12 Uhr begann bei Ihnen der Anstich Ihres ersten selbst gebrannten Whiskys? Hat sein Geschmack Sie überrascht?

Nicht wirklich. Denn wir haben den Whisky bereits vor drei Jahren destilliert, dann musste er so lange in Holzfässern lagern. Die sind übrigens aus amerikanischer Weißeiche und deutscher Spessarteiche. Neben dem Destillieren ist es ja das Schönste an meinem Beruf, dass ich den Whisky immer wieder kontrollieren muss: die Farbe, den Geschmack und Geruch, der ist ganz wichtig.

Und wonach schmeckt ihr edler Single Malt denn nun?

Es gibt Schokoladentöne, nussartige Aromen, Malz natürlich, dazu einen leichten, fruchtigen Hauch im Vordergrund. Natürlich Holz, auch Vanille, Karamell. Er hat einen starken individuellen Charakter. Manche sagen, er riecht nach getrockneten Tomaten, andere sagen, er riecht nach kalter Asche.

Klingt gar nicht so nach Alkohol…

Spätestens wenn die 55 Prozent Ihren Gaumen erreichen, merken Sie, dass es tatsächlich Alkohol ist. Dann prickelt es wie Chili.

Wie viele Fässer haben Sie denn?

Ursprünglich waren es fünf. Aber das allererste bleibt in Familienbesitz, das trinken wir ganz allein. Ein weiteres Fass soll mindestens fünf Jahre lagern. Die anderen drei Fässer stehen ab heute zur Abfüllung bereit. Das macht 1 000 Flaschen.

Können Sie davon leben?

Nein, ich arbeite weiterhin 40 Stunden pro Woche als Pharmazie-Ingenieurin in einer Apotheke. Whisky ist für die nächsten Jahre vorerst ein Nebenerwerb.

Whisky trinken und vor allem Whisky machen ist doch eher eine klassische Männersache, oder?

Stimmt, es ist eigentlich ein Männerding, aber auch früher haben viele Frauen das Destillieren übernommen, zum Beispiel, wenn die Männer im Krieg waren.

Und wie kamen Sie zu dem Drink?

Mit etwa 20 habe ich in Bulgarien erstmals Whisky getrunken. Nichts wirklich Edles, aber es hat geprägt. Ich dachte, Whisky ist Whisky, aber als ich den zweiten Schluck von einer anderen Sorte trankt, hat der völlig anders geschmeckt. Das hat mich neugierig gemacht. Dann habe ich gelernt: Whisky ist das komplexeste Getränk der Welt.

Wie kam es zur eigenen Destillerie?

Mein Vater trinkt auch gern Whisky, irgendwann wollte ich nicht mehr nur verkosten, sondern das Getränk auch selbst machen.

Wohin gehen Ihre Flaschen nun?

Wir haben keinen Hofladen, fast alles geht an die Gastronomie und den Fachhandel. Es hat sich bei den Kennern und Fans schnell herumgesprochen, dass wir in der Uckermark eine neuen Single Malt brennen. Die Anfragen der Fachleute kamen ganz von allein.

Wie viele Leute sind denn heute bei Ihrem Erst-Anstich dabei?

Jetzt, kurz nach dem Start, sind 60 Leute hier. Im Vorfeld gab es 200 Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet, auch aus Österreich. Es kann also bis heute Abend noch richtig voll werden.

Wie viel kostet Ihr Tropfen?

Bei mir gibt es nur heute 500 handnummerierte und handsignierte Flaschen zu je 50 Euro. Das ist ein einmaliger Sonderpreis für den Markteinstieg. Die Läden werden wohl 70 bis 100 Euro nehmen.

Klingt nach einen guten Einstieg.

Ich hab mir auch die Marke Preußischer Whisky und das Logo – ein springendes Pferd mit Pickelhaube – europaweit schützen lassen.

Schon vor dem ersten Anstich?

Tja, das ist preußische Strategie.

Wie schmeckt Ihnen eigentlich der andere Brandenburger Premium-Whisky aus dem Spreewald?

Den Whisky von Herrn Römer habe ich bei einer Messe gekauft. War richtig köstlich. Wir sind aber keine Konkurrenten. Mein Whisky geht in eine andere Richtung, ist viel rauer, ungezähmter. Witzig ist: Herr Römer war Arzt, ich arbeite in der Apotheke. Also: Wenn es um Whisky aus Brandenburg geht – fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Interview: Jens Blankennagel