BerlinDer Schrank liegt voller Kaschmirpullover – der älteste, rostrot, konnte vor 40 Jahren in Leipzig zur Messezeit ergattert werden. Exquisit. Mongolisches Kaschmir aus der versunkenen Ära, als im sozialistischen Bruderstaat Nomaden mit Kaschmirziegen durch die Wüste Gobi zogen und das feine Naturprodukt erzeugten. Drei Ziegen müssen gekämmt werden, um einen Pullover herzustellen. Ein solches Teil gehört nicht in den Lumpensack, selbst wenn die Ärmel durchgescheuert und dreimal gestopft sind. Ebenso wenig verdient Opa Emils Sonntagspullover, den er auf so vielen Familienfeiern trug, solch ein Schicksal. Die Beziehung zu Kleidungsstücken kann länger halten als eine Ehe und weit über den Tod hinaus. Sie bedeutet das Gegenteil von Fast Fashion.

Die aber beherrscht die Märkte. Große Textilmarken bringen bis zu 24 Kollektionen im Jahr heraus. Der Durchschnittsdeutsche kauft 30 Kilo Kleidung im Jahr, etwa 60 Stücke, die nur halb so lange getragen werden wie vor 15 Jahren. Zu 70 Prozent bestehen die Textilien aus Chemiefasern, mit jeder Wäsche werden unzählige Partikel Mikroplastik in die Meere geschwemmt.

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