Wie beim Flughafen BER: Beim Tesla-Werk funktioniert die Brandschutzanlage nicht

Anfang der Woche brannten in Grünheide 800 Kubikmeter Pappe. Nun wird bekannt, dass der technische Brandschutz durch Brandwachen ersetzt wurde. Was ist da los?

Rauchwolken steigen am 28. September bei einem Brand auf dem Gelände der Gigafactory von Tesla in den Himmel. Jetzt ist der Brandschutz offenbar ähnlich lückenhaft wie an der BER-Baustelle. 
Rauchwolken steigen am 28. September bei einem Brand auf dem Gelände der Gigafactory von Tesla in den Himmel. Jetzt ist der Brandschutz offenbar ähnlich lückenhaft wie an der BER-Baustelle. dpa/Patrick Pleul

Die Bestätigung kam aus der Kreisverwaltung: Der Brandschutz beim Tesla-Werk in Grünheide funktioniert nicht, wie geplant. „Seit Beginn der Produktion sind die  Brandmeldeanlage und die Sprinkleranlage nicht in Funktion“, sagte Umweltdezernent Sascha Gehm der Berliner Zeitung und bestätigte damit einen Bericht der Märkischen Oderzeitung.

Der Fall ist gleich aus mehreren Gründen brisant. Zum einen, weil sich aus demselben Grund die Eröffnung des Flughafens BER jahrelang verzögert hat. Zum anderen, weil funktionstüchtige Anlagen einfach Vorschrift sind.

Der Mangel sei den Behörden bekannt gewesen, sagte der Dezernent. Tesla arbeite nun mit einem genehmigten vorläufigen Brandschutzkonzept und sichere damit den Brandschutz ab. Derzeit seien rund um Uhr acht Mitarbeiter als Brandwachen unterwegs und patrouillieren über das Werksgelände. In den Werkshallen stünden auch Feuerwehrfahrzeuge an drei Orten.

Nach Angaben der Kreisverwaltung sei von Anfang an klar gewesen, dass das Werk nicht gleich den vollen Brandschutz haben werde, sondern dass der nach und nach hochgefahren werde. Das Ziel sei, dass die automatische Brandmeldeanlage und die Sprinkler bald in Betrieb gehen.

Am Montag hatte es auf dem Gelände der ersten europäischen Fabrik des US-Milliardärs Elon Musk einen Großbrand gegeben. Dort waren 800 Kubikmeter Pappe verbrannt. Die Werksfeuerwehr konnte das Feuer nicht allein löschen und musste mehrere Freiwillige Feuerwehren aus Nachbarorten anfordern.

Nach dem Brand hatten mehrere Bürgerinitiativen gefordert, dass dem Werk die Betriebserlaubnis entzogen wird, bis die Missstände behoben sind. Sie fürchten, dass gesundheitsgefährdende Stoffe mit dem Löschwasser in den Boden gelangt sind und so das Grundwasser verunreinigen könnten.

Verein für Natur in Brandenburg sieht Mitschuld beim Landesumweltamt

Der Verein für Natur und Landschaft in Brandenburg gehört zu den Kritikern, er verwies am Donnerstag noch einmal darauf, dass das Landesumweltamt im März 2022 die Baugenehmigung erteilt habe und den Produktionsbetrieb dulde. Manuela Hoyer, die Sprecherin des Vereins, sagt der Berliner Zeitung, dass jene Baugenehmigung die Erlaubnis zur Lagerung von nicht gefährlichen Abfällen auf 5000 Quadratmeter Fläche umfasse. „Mehr als sechs Monate sind seitdem vergangen und erst jetzt verlangt die Behörde ein Konzept für die Beseitigung der Abfälle.“ Das wäre bereits für die Baugenehmigung nötig gewesen.

Das Werk sei erst am 21. September von der Behörde besichtigt worden. „Aber auch jetzt im Angesicht von 245 Tonnen Abfall darf Tesla die illegale Anlage weiterbetreiben, weil laut Minister Vogel keine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit bestanden habe.“

Das bezeichnet der Verein als folgenschweren Irrtum, weil es wenige Tage später brannte. „Was muss noch passieren, bevor die Behörden ihren Auftrag zum Schutz der Bevölkerung vor schädlichen Umwelteinflüssen wahrnehmen“, sagte Manuela Hoyer und fordert erneut, die Betriebserlaubnis zu widerrufen.

„Es ist absurd, dass dort bei einem Werk mit 4000 Leuten mit Brandwachen gearbeitet wird“, sagte Thomas Löb, Landeschef der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP). „Und das mit Duldung und Genehmigung der Behörden.“ Brandwachen könnten vielleicht bei einem eintägigen Musikfestival eingesetzt werden, aber nicht bei einem Dauerbetrieb mit hochgefährlichen Stoffen. Löb fordert, dass sich der Landtag mit den Missständen bei Tesla beschäftigt und dass sich der Konzern selbst endlich zu Wort meldet und nicht weiter schweigt.

In Bezug auf den Großbrand und die Brandschutzprobleme bei Tesla sagte Löb: „Wenn der Brand nur ein paar Wochen früher gewesen wäre, hätte es bei entsprechendem Funkenflug auch einen großen Waldbrand geben können. Denn wir hatten 16 Tage lang die höchste Waldbrandwarnstufe 5 und 46 Tage lang die Stufe 4.“