Berlin - Vor fünf Monaten ging es los. Das Impfen gegen Corona, das nun in Berlin an Fahrt aufnehmen soll, aber weiter für Chaos sorgt. Dabei hat mit zwei Millionen Menschen fast die Hälfte aller volljährigen Berliner schon mindestens eine Impfung erhalten. Seitdem aber bei Hausärzten auch Menschen ohne Priorität die Spritze gegen das Virus erhalten können, und ab 7. Juni auch die Impfreihenfolge in den Zentren wegfallen soll, gibt es jetzt wegen der hohen Nachfrage und des noch immer knappen Impfstoffes kaum Termine. Was aktuell beim Impfen zu beachten ist.

Wie bekomme ich meinen Impftermin?

Jetzt einen Termin in einem der sechs Impfzentren zu bekommen, scheint unmöglich. Bei einem Anruf der Berliner Zeitung bei der Impfhotline (030) 9028 2200 hieß es am Donnerstag, die Impfstellen seien „komplett ausgebucht“. Dies sei bis Ende Juni der Fall, so eine Mitarbeiterin. Auf dem Online-Buchungsportal von Doctolib steht (Stand 27. Mai): „Aufgrund der hohen Nachfrage und aktuell begrenzter Impfdosen sind alle Verfügbarkeiten ausgebucht.“ Mitarbeiter der Impfhotline verweisen Betroffene an die Ärzte. Aber auch bei ihnen herrsche Chaos, auch in den Praxen sind Impfdosen knapp, berichtet der Chef des Berliner Hausärzteverbandes, Wolfgang Kreischer.

Die Anzahl der Anrufe bei den Impftelefonen der Praxen, wo Patienten sich auf Wartelisten setzen lassen und dann zurückgerufen würden, wenn für sie eine Dosis da sei, sei enorm. „Bei Astrazeneca kann das innerhalb einer Woche geschehen, bei Biontech muss man bis zu sechs Wochen auf einen Termin warten“, sagt Kreischer. Er kritisiert, dass manche Patienten sich in mehreren Praxen oder im Impfzentrum anmelden, um schneller zu einer Impfung zu kommen, „aber nach erfolgter Impfung die woanders belegten Termine nicht absagen“.

Wann wird sich die Lage bessern?

Das ist derzeit ungewiss. Laut Bundesgesundheitsministerium sollte es ab kommendem Monat mehr Impfstoff geben. Die Berliner Impfzentren sollten im Juni 547.000 Dosen von Biontech und Moderna erhalten. Doch am Mittwochabend wurde bekannt, dass Biontech im Juni bundesweit 1,6 Millionen Dosen weniger liefern wird als geplant. Wer jetzt einen Termin benötigt, dem bleibt nicht viel anderes übrig, als sich beim Hausarzt auf die Warteliste setzen zu lassen. Oder immer wieder die Impfhotline anzurufen, in der Hoffnung, dass dort ein Termin frei wird.

Wie muss ich mich auf die Impfung vorbereiten?

Wichtig ist, dass der zu Impfende bei seinem Termin den Impfausweis und seinen Personalausweis dabei hat.

Was muss ich vor dem Impfen beachten?

„Der Patient kann ganz normal vor dem Termin etwas essen und trinken“, sagt Hausarzt-Verbandschef Kreischer. Allerdings sei es wichtig, den Arzt vor der Impfung zu informieren, wenn es bei anderen Impfungen Unregelmäßigkeiten gab, etwa Allergien gegen Impfstoffe oder Schockreaktionen. Dann muss abgeklärt werden, ob geimpft wird oder nicht.

Was ist nach dem Impfen zu beachten?

Die Ärzte raten von Sport oder körperlicher Anstrengungen nach der Impfung ab. Ein Glas Wein oder Bier am Abend, um den Piks zu feiern, sei zwar kein Problem. Aber die Mediziner sagen, dass man seinem Körper viel Zeit und Ruhe geben sollte, damit er den Impfstoff gut verarbeiten kann. Das hat ab und zu auch Folgen: Neben einem Druck im geimpften Oberarm müsse der Patient mit Müdigkeit, Kopfschmerzen oder leichtem Fieber als Impfreaktion rechnen, so Hausarzt Kreischer. „Diese können bereits nach zwei Tagen vergehen“, sagt der Arzt. Dagegen Aspirin einzunehmen, sei kein Problem. Man sollte aber deswegen nicht schon vor der Impfung vorbeugend Medikamente einnehmen, sagt der Arzt.

Bei der Zweitimpfung könnten, etwa mit dem Biontech-Vakzin, die Symptome etwas stärker ausfallen, weil das Immunsystem möglicherweise heftiger auf den Impfstoff reagiert. Daher sei es sogar von Vorteil, wenn zwischen Erst- und Zweitimpfung eine längerer Zeitabstand liege, so Kreischer. „Dann hat sich bereits der Impfstoff aus der ersten Impfung so gut im Körper manifestiert, dass es bei der zweiten Impfung kaum zu stärkeren Reaktionen kommt.“

Darf ich mich mit einer Erkältung impfen lassen?

Nein, erklärt Hausarzt Kreischer. Denn bei einer Erkältung kämpft der Körper bereits mit einer Infektion. Das könne die Wirksamkeit des Impfstoffs negativ beeinflussen. Denn mit seiner Hilfe sollen im Körper ungestört Abwehrkräfte gegen das Coronavirus aufgebaut werden. Schon mit der ersten Impfung könne ein ausreichender Schutz vor Corona entstehen, der mit der zweiten verstärkt wird.

Dürfen Kinder und Jugendliche geimpft werden?

In Berlin rechnet Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) ab Mitte Juni mit dem Impfbeginn bei Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren. Biontech und Moderna kämen dafür als Impfstoff infrage. Allerdings müssen sie noch von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) für diese Altersgruppe zugelassen werden.

Wann kommt der elektronische Impfpass?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geht davon aus, dass der elektronische Impfpass in Deutschland bis Ende Juni zur Verfügung stehen wird. Auf einer App soll die Eintragung der Corona-Impfungen per QR-Code von Hausärzten oder autorisiertem Personal in den Impfzentren vorgenommen werden. Die Details über den Ablauf sind allerdings noch unklar, sagte eine Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin.