Die Hände des alten Mannes zittern so stark, dass alle Münzen auf die gläserne Theke kullern. Fünf Euro kosten seine Backwaren. Der Bäcker, ein freundlicher Lulatsch, sucht mit ruhiger Hand den passenden Betrag zusammen. Der Herr indes wird unruhig, denkt, ich hätte es eilig. „Ich habe Zeit“, sage ich begütigend und der Bäcker wiederholt: „Hören Sie? Sie hat Zeit.“ Und fügt hinzu, an uns beide gewandt: „Wir sind ja hier auch auf dem Wochenmarkt. Und nicht bei Aldi.“ Spricht’s und dreht sich einmal um die Achse. Seine Vitalität ist ansteckend und seine Güte auch. Der Greis nickt mit wackelndem Kopf und glaubt ihm.

Als ich mich beim Crêpes-Stand anstelle, habe ich statt eines Brotes Schillerlocken in der Tüte. Totalverwöhnung in schwerer Zeit, so lautet die tägliche Devise. Also ein Dessert am Mittag. Der Crêpes-Verkäufer ist untröstlich, weil er keinen herzhaften Teig hergestellt hat. Ich kann ihn mit großmütigen Essern beruhigen und gehe derweil Oliven kaufen. Bei den Mediterranen darf ich sogar was probieren. Spontane Gesten aus einem anderen Leben. Sie künden von der Rückkehr des Wertvollen und lassen mein Herz einen etwas hölzernen Samba tanzen. Plötzlich ist es ein paar Grad wärmer. Noch wärmer.

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