Berlin - Es ist eine große, friedliche Party – unter freiem Himmel wird getanzt, getrunken, gespielt und gerollt. Das Tempelhofer Feld ist in Zeiten der Pandemie für junge Menschen und Familien zu einem Sehnsuchtsort geworden. Raus aus der Enge der Wohnungen, rein in den scheinbar unendlichen Raum mitten in der Großstadt. Die Freiheit ruft!

Aufs Feld also, am besten in das Areal in der Nähe des Schillerkiezes. Während am Himmel Drachen tanzen, zeigen junge und nicht mehr ganz junge Frauen und Männer auf Skateboards ihre Kunststücke, Rollschuhfahrer umkreisen gekonnt und Pirouetten drehend 22 Hütchen, die eine Slalomstrecke bilden. Zwei Männer mit Dreitagebärten jonglieren ihre Frisbeescheiben mit Händen und Füßen minutenlang in der Luft. Die kurzen, heftigen Regenschauer, die dieser Tage ab und an die Straßen Berlins leerfegen, schlagen hier niemanden in die Flucht. Im Gegenteil, durch den Haupteingang an der Herrfurthstraße in Neukölln strömen auch am Abend noch immer Menschen auf das Gelände.

Luisa und ihr Freund Ben sind gekommen, um zu entspannen.  Beide Studenten wohnen in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung in der Nähe und sind oft auf dem Tempelhofer Feld anzutreffen. Das Pärchen hat auf der Wiese eine Picknickdecke ausgebreitet, eine Flasche Rotwein geöffnet. Schon prosten beide mit ihren Bechern den Nachbarn zu. Es wird gelacht, gequatscht, geküsst. Laute Musik schallt bis zum Sonnenuntergang über das Gelände. Im Allmende-Kontor-Gemeinschaftsgarten und im Stadtteilgarten Schillerkiez gleich neben dem Rollfeld machen es sich Familien auf den Bänken und Holzpaletten bequem. Kinder schlüpfen in ihre Rollerblades, zeigen dann auf dem Asphalt ihre Fahrkünste.

Auf dem 300 Hektar großen Tempelhofer Feld, auf dem früher Flugzeuge starteten und landeten, ist das Berliner Leben zu Hause. Was die Menschen zu Tausenden täglich hierhertreibt, ist an einem der hölzernen Hochbeete der Gärten zu lesen. In weißen Lettern steht dort: „2014 retten wir das Feld. 2020 rettet es uns.“