Der heilige Mauritius im Magdeburger Dom, gefertigt um 1240. Die älteste figürliche Darstellung eines afrikanischen Mannes nördlich der Alpen.
Foto: Wikimedia Commons/Chris 73

Berlin/MagdeburgWer behauptet, ein Mohr sei eine niedere Gestalt, dumm und plump, der stelle sich Auge in Auge vor den heiligen Mauritius im Magdeburger Dom. Dort steht kein Verachteter, sondern ein Verehrter. Der Meister, der vor fast 800 Jahren die lebensgroße Figur hergestellt hat, zeigt diesen Afrikaner als Individuum. Er muss solchen Menschen begegnet sein, so lebensnah sind die Gesichtszüge geformt.

Um das Jahr 1240 meißelte ein Bildhauer der Zweiten Magdeburger Dombauhütte die Stifterfigur aus Bernburger Sandstein. Ihre Füße sind verloren, die Skulptur ist ab Rocksaum 1,15 Meter hoch und etwa 220 Kilogramm schwer. Es handelt sich um die erste Darstellung eines schwarzen Mannes nördlich der Alpen, erschaffen für den ersten gotischen Dom auf deutschem Boden. Wahrscheinlich gehörte der Künstler derselben Schule an wie jener, der die wunderbare Uta und deren depperten Gatten für den Naumburger Dom schuf. Auch diese Höhepunkte mittelalterlicher Kunst, die für einige Jahrzehnte zu individueller Darstellung des Menschen von großer Ausdrucksstärke fand.

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